Sinkende Bruttolöhne sind zweifellos keine Freudennachricht. Spätestens diese statistische Größe lässt keinen Zweifel mehr: Wir alle sind durch die in der Nachkriegsgeschichte beispiellose Wirtschaftskrise ärmer geworden.
Hinter den Zahlen der Statistiker verbirgt sich aber auch eine hoffnungsvolle Botschaft: Die deutsche Wirtschaft hat den ersten Schock der Krise erstaunlich robust weggesteckt. So ist das Minus beim Bruttolohn im Vergleich zum rund fünfprozentigen Einbruch bei der Wirtschaftsleistung gering. Rechnet man den relativ stabilen Arbeitsmarkt hinzu, hält sich der Wohlstandsverlust im Vergleich zu anderen Ländern, die einen weitaus drastischeren Abbau der Beschäftigung hinnehmen mussten, noch in engen Grenzen.
Wer nun kräftige Lohnaufschläge fordert, gefährdet diese Position der relativen Stärke. Höhere Lohnstückkosten würden nur die deutsche Wettbewerbssituation auf dem Weltmarkt schwächen. Viele Unternehmen wären gezwungen, bisher vermiedene Entlassungen einzuleiten. Denn die deutsche Wirtschaft lebt noch immer vom Export – gerade jetzt in der Krise ist er der wesentliche Motor für die Erholung.
Keine Frage, die Lohneinbußen durch Kurzarbeit oder entfallende Überstunden sind für viele schmerzlich. Und nicht wenige werden enttäuscht sein, wenn die diesjährigen Tarifrunden nur ein sehr mageres Gehaltsplus bringen.
Doch selten waren die mahnenden Worte Ludwig Erhards, der 1965 angesichts einer sich eintrübenden Konjunktur und großer Löcher in den öffentlichen Haushalten vor überzogenen Ansprüchen warnte, aktueller. Wer langfristig wieder mehr Wohlstand für alle möchte, muss jetzt Maß halten.





