Ende 2009 hatte etwa jeder fünfte Stromkunde seinen Anbieter gewechselt und weitere 40 Prozent einen günstigeren Vertrag mit dem alten Versorger abgeschlossen. Dennoch haben die Verbraucher tendenziell immer weniger Einfluss auf den Strompreis – und der ist in den letzten zehn Jahren um 9,3 auf 23,2 Cent gestiegen. Doch zieht man Steuern, Abgaben und Umlagen ab, lag der Strompreis 2009 für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden nur zehn Prozent über dem von 1998, während seither der staatliche Anteil von 25 auf inzwischen fast 40 Prozent gestiegen ist.

Nahezu alle staatlichen Komponenten haben kräftig zugelegt: Die Mehrwertsteuer hat sich auf 3,71 Cent pro Kilowattstunde fast verdoppelt, die Ökosteuer macht zudem inzwischen 2,05 Cent pro Kilowattstunde aus. Zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung muss der Verbraucher 0,24 Cent pro Kilowattstunde zahlen. Obendrauf kommt die Umlage, die der Verbraucher für den Ausbau der erneuerbaren Energien entrichtet – mehr als zwei Cent pro Kilowattstunde.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) weist dennoch die Schlussfolgerung zurück, die Nutzung von Wind und Sonne treibe den Strompreis. Gründe sieht der Verband im „Einbruch des Börsenpreises für Strom aufgrund der Wirtschaftskrise, veränderten Berechnungsmethoden nach der neuen Verordnung und einem schnelleres Wachstum der erneuerbaren Energien“.

Denn die Rohstoffpreise und damit die Kosten für konventionelle Stromerzeugung steigen in absehbarer Zeit wieder an.“ In jedem Fall zahlt ein Durchschnittshaushalt pro Monat etwa sechs Euro für den Ausbau einer Stromerzeugung, die ohne Kohlendioxid-Emissionen auskommen soll. Für Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) ein „verkraftbarer Betrag“. Und so wächst diese Branche. Trotz der Rezession wurden 2009 etwa 20 Prozent mehr in erneuerbare Energien investiert als 2008. So flossen 17,7 Milliarden Euro in neue Anlagen. Parallel stieg die Zahl der Beschäftigten um 20.000 auf rund 300.000.

Angesichts der aktuellen Preisentwicklung sollten Verbraucher die Konditionen der Anbieter vergleichen. Zumal die Preise anziehen werden. Das Vergleichsportal Check 24 analysierte im Mai und Juni Strompreise und Entwicklungen in den 100 größten deutschen Städten.

Demnach planen 35 Versorger Preissteigerungen und Check 24 prognostiziert, dass Strom in diesem Jahr um bis zu 16 Prozent teurer werden kann. Auch die Experten des Portals empfehlen Anbieterwechsel, wodurch sich durchschnittlich 270 Euro pro Jahr sparen lassen. Bei den regionalen Grundversorgern haben laut toptarif.de seit Jahresbeginn knapp die Hälfte der rund 880 Unternehmen Preisanpassungen vorgenommen oder planen diese. Nur rund sieben Prozent der lokalen Anbieter haben die Preise gesenkt oder entsprechende Ankündigungen gemacht.

Während die Anhebungen im Schnitt 5,9 Prozent betragen, liegen die Senkungen bei drei Prozent – Strom in Deutschland bleibt ein teures Gut. Auf der anderen Seite muss nach Expertenmeinung auch klar sein, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Anpassung der Stromnetze Geld kostet.