Mehrwertsteuer

Hotels geben Steuersenkung selten weiter

Nur sehr wenige Hotels geben die Mehrwertsteuersenkung auch an ihre Gäste weiter. Laut einer Stichprobe seien nur gut sieben Prozent der Hotels günstiger geworden, erklärte die Verbraucherzentrale. Hingegen seien in 13,9 Prozent der Fälle die Preise sogar gestiegen.

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Die Senkung der Mehrwertsteuer für Übernachtungen in Hotels und Gaststätten sorgt für Empörung. Verbraucher ärgern sich darüber, dass Hotelbetreiber die Preise nicht senken, Travelmanager und Geschäftsreisende klagen über steigende Kosten und eine komplizierte Abrechnung. Die Hoteliers fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

In einer bundesweiten Stichprobe von rund 600 Angeboten seien nur 7,4 Prozent günstiger geworden, teilte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mit. Hingegen sind in 13,9 Prozent der Fälle die Preise gestiegen. In der Summe wurden Hotelübernachtungen zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar laut vzbv um 1,9 Prozent teurer. Vergleichsweise viele Preissenkungen machten die Verbraucherschützer bei Einzelzimmern im oberen Preissegment aus, die für Geschäftsreisende interessant sind.

Beliebte Hotels in den Bergen oder am Meer haben die Preise wegen stärkerer Nachfrage nach Urlaub in Deutschland dagegen sogar leicht angehoben, heißt es bei TUI, Europas größtem Reiseanbieter.

Laut Branchenverband Dehoga rutschen insgesamt wegen der Wirtschaftskrise die Zimmerpreise im Schnitt von Januar bis Oktober 2009 um acht Prozent in den Keller. Der Beherbergungsmarkt sei von Überkapazitäten und einem extrem hohen Konkurrenzdruck geprägt. Steigende Kosten wurden nicht an die Gäste weitergegeben. „Es hat jetzt doch kein Hotel Interesse daran, besonders Geschäftskunden zu verlieren“, sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges.

Viele Travelmanager in großen Unternehmen sind trotzdem empört über das Steuergeschenk für die Beherbergungsbranche. Rund 400 Millionen Euro könnte die Steuersenkung die Firmenkunden zusätzlich kosten, schätzt der Präsident des Geschäftsreiseverbande VDR, Dirk Gerdom, der im Hauptberuf Travelmanager bei SAP ist. Bislang konnten Unternehmen die Umsatzsteuer bei Geschäftsreisen absetzen. Wenn die Hoteliers künftig die Mehrwertsteuerersparnis von zwölf Prozent nicht an ihre Kunden weitergeben, erhöhen sich die Übernachtungspreise für die Unternehmem genau um diesen Betrag. Der ohnehin durch die Wirtschaftskrise eingeschränkte Spielraum bei der Genehmigung von Dienstreisen für ihre Mitarbeiter wird durch das Steuergeschenk noch erheblich verkleinert.

Aus diesem Grund sind viele Travelmanager gerade dabei, Übernachtungspreise neu zu verhandeln. Und viele Hotelbetreiber bewegen sich. Je wichtiger ihnen das Unternehmen als Kunde ist, umso mehr geben sie von der Steuerentlastung weiter, hat die Travelmanagerin eines großen Dienstleistungsunternehmens beobachtet, dessen Mitarbeiter viel unterwegs sind. Diese werden die handwerklichen Schwächen des Gesetzes in den kommenden Wochen am eigenen Leib spüren.

Denn während die Umsatzsteuer für den Übernachtungspreis auf sieben Prozent gesenkt wurde, bleibt der Steuersatz für das Frühstück bei 19 Prozent. Und das führt in vielen Unternehmen zu Kapriolen in den Reiserichtlinien. Wenn Mitarbeiter bislang im Hotel gefrühstückt haben, erhielten sie eine Rechnung, die den Übernachtungspreis inklusive Frühstück auswies. Für die Reisekostenabrechnung bedeutete dies, dass der Erstattungsbetrag in der Regel um 4,80 Euro gekürzt wurde.

Durch den unterschiedlichen Steuersatz für Übernachtung und Frühstück muss das Hotel zukünftig Übernachtung und Frühstück auf der Rechnung separat aufführen. Das Frühstück muss der Reisende dann selbst bezahlen. Frühstückt er im Hotel, ist damit in den besseren Häusern der komplette Spesensatz der Mitarbeiter meist aufgebraucht. Sparsame Manager werden deshalb wohl öfter frühmorgens ihr Hotel verlassen und in Fast-Food-Ketten Kaffee trinken.