Auf dem Oldtimer-Markt tut sich derzeit einiges, was vor dem Hintergrund der Krise geschieht - nur eine Oldtimer-Krise selbst existiert nicht. "Es gibt eine Flucht in die Sachwerte", sagt Dieter Ritter, Fachmann des Automobilclubs von Deutschland (AvD). Menschen, die das Vertrauen in Wertpapiere verloren haben, versuchten, ihr Geld in Dinge zu investieren, bei denen man von einem Werterhalt oder sogar einer Wertsteigerung ausgehen kann - wie alte Autos.
Auch die Organisatoren der weltgrößten Oldtimer-Messe Techno-Classica in Essen gaben sich am vergangenen Wochenende trotz Autokrise zuversichtlich: Rund 2500 Klassiker wurden in diesem Jahr ausgestellt und teils zum Verkauf angeboten - so viele wie noch nie zuvor. Allerdings gibt es bei Oldtimern derzeit mehrere unterschiedliche Bewegungen. So werden gute Autos weiterhin zu stattlichen Preisen angeboten und auch gekauft. "Bei den wirklich guten Fahrzeugen sind die Preise sogar gestiegen", sagt Frank Wilke vom Marktbeobachter Classic Data in Castrop-Rauxel.
Anders sieht es dagegen bei den bislang so beliebten Youngtimern in durchschnittlichem Zustand aus - Wilke nennt als Beispiel Fahrzeuge wie die 02-Reihe von BMW, einen Opel Ascona oder den britischen Roadster-Klassiker MG B. "Hier ist als Verkäufer im Augenblick nur über den Preis etwas zu machen." Zu Bemerken ist laut Wilke aber auch, dass derzeit vor allem Kenner der Materie kaufen. "Bei den wirklichen Neukunden im Oldtimer-Bereich steigt die Zahl nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren."
Tatsächlich aber könnte gerade in dem derzeit nicht so gefragten Bereich der günstigen Autos der Einstieg Sinn machen. Denn dass die Verkäufer sich bei den Preisen nachgiebig zeigen müssen, kann für Käufer nur gut sein: "In diesem Zusammenhang muss man nicht vor einem Kauf warnen, sondern eher dazu raten." Wer nach einem hochwertigen Oldtimer vom renommierten Klassikerhändler sucht, kann dagegen Probleme haben, überhaupt etwas zu bekommen. "Bei einigen Händlern ist das Angebot im Augenblick reduziert", sagt Dieter Ritter. Was auch damit zusammenhängt, dass einige private Besitzer ihren Oldtimer gerade jetzt nicht abstoßen. Vielmehr wird er als sicheres Kapital behalten.
Wie vielseitig das Thema Oldtimer im Augenblick sein kann, erklärt Oldtimer-Experte Johann König vom ADAC mit einem anderen Beispiel: "Es kann passieren, dass der eine oder andere Sammler Fahrzeuge verkaufen wird - einfach aus dem Grund, dass er das Geld braucht."
Einig sind sich die Fachleute auf jeden Fall darin, dass der Oldtimer auch in Zukunft eine sinnvolle Geldanlage sein wird - so wie er es immer schon war. "In den vergangenen 50 Jahren sind die Preise für Oldtimer immer gestiegen", so Frank Wilke. Zwar habe es zeitweise auch Preiseinbrüche gegeben. "Aber die Preise sind dann immer wieder angestiegen, und zwar auch über das vorherige Niveau." Wie hoch der Wertzuwachs ist, hängt vom Fahrzeug und vom Umgang damit ab. "Nach unseren Erfahrungen liegen die Wertsteigerungen jährlich bei etwa fünf bis acht Prozent", sagt Dieter Ritter. Aber dieser Durchschnitt bedeutet nicht, dass es jedes Jahr so bergauf geht.
Johann König vom ADAC weist darauf hin, dass "man immer damit rechnen muss, dass es einmal eine Weile keine Wertsteigerung gibt". Außerdem ist noch an weitere Punkte zu denken: Wer den Klassiker häufiger auch auf der Straße bewegt, hat zusätzliche Kosten für Unterhalt, Betrieb und Wartung. Außerdem kommt es zu Abnutzung und Gebrauchsspuren, die wiederum den Wert drücken können. Im Endeffekt geht es eben darum, ob ein altes Auto wirklich nur als Investition angesehen wird - oder ob es auch um die Oldtimer-Liebhaberei geht, bei der dann eine mögliche Wertsteigerung zweitrangig ist.




