Bruttoinlandsprodukt

Chinas Wirtschaft zieht offenbar an Japan vorbei

Nach neuesten Wachstumszahlen behauptet China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt zu sein – vor Japan und Deutschland.

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Das Boomland China hat Japan den Rang als zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde abgelaufen. Mit einem Wachstum der Wirtschaftsleistung von 11,1 Prozent im ersten Halbjahr habe die Volksrepublik den Sprung auf Platz zwei geschafft, teilte der Chef der obersten Devisenbehörde, Yi Gang, mit. „China ist tatsächlich bereits die zweitgrößte Volkswirtschaft.“

Ein Ende des stürmischen Wachstums ist nicht absehbar: Für das Gesamtjahr veranschlagt das Land ein Plus von mehr als neun Prozent. Der unaufhörliche Aufstieg zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht nach den USA ist Folge der Ende der 70er-Jahre von der Kommunistischen Partei eingeleiteten ökonomischen Reformen: In den vergangenen drei Dekaden wuchs die Wirtschaft nach Angaben der Devisenbehörde im Durchschnitt jeweils um 9,5 Prozent pro Jahr.

Allerdings lief der Wachstumsmotor zuletzt nicht mehr auf Hochtouren: Das Bruttoinlandsprodukt legte im zweiten Quartal mit 10,3 Prozent deutlich langsamer als zu Jahresbeginn mit 11,9 Prozent zu. Die leichte Abkühlung wird der Wirtschaft aus Sicht der Regierung helfen, eine Überhitzung zu vermeiden. China ist der wichtigste Handelspartner von aufstrebenden Schwellenländern wie Brasilien, Indien und Südafrika. Auch Deutschland verdankt seinen Aufschwung den immer besser laufenden Geschäften in dem kommunistischen Staat.

Die USA und andere Industriestaaten werfen der Volksrepublik jedoch vor, sich mit einem künstlich niedrig gehaltenen Wechselkurs der Landeswährung Yuan Wettbewerbsvorteile an den Weltmärkten zu verschaffen. Dennoch will China sich nicht unter Druck setzen lassen: Für einen kräftigen Anstieg des Yuan-Kurses spreche, dass die Inflation im Reich der Mitte beständig zugelegt habe, sagte Yi. China wolle den Yuan stabil auf einem „vernünftigen und ausgewogenen Niveau“ halten.

Der Aufschwung in den USA ist nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zunehmend gefährdet. Die expansive Finanz- und Geldpolitik habe die größte Volkswirtschaft zwar aus der tiefsten Krise seit Jahrzehnten herausgeführt, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Länderbericht. Nun falle die Erholung aber nur moderat aus „und der Ausblick ist unsicher“. Die Binnennachfrage sei schwach und der Arbeitsmarkt entwickle sich schleppend.

Als große Gefahren nennt der IWF einen weiteren Einbruch am US-Wohnimmobilienmarkt und Auswirkungen neuer Probleme auf ausländischen Finanzmärkten. Die europäische Schuldenkrise hat auch in den USA viele Sorgen ausgelöst.

Dabei sehen die IWF-Schätzungen zum US-Wachstum relativ günstig aus. Der Fonds erwartet in diesem Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 3,3 Prozent und im kommenden Jahr flachere 2,9 Prozent. Die US-Erholung sei aber immer noch von Hilfen der Politik abhängig und gerate zunehmend unter Wolken, heißt es in dem Bericht. Schuldenabbau und die Reformen im Finanzsektor seien die größten Herausforderungen für den Staat..

Angesichts der Erholung sollten die USA nach Auffassung des IWF langsam den Ausstieg aus den staatlichen Konjunkturimpulsen ins Auge fassen. In diesem Jahr hält der Fonds wegen der schwachen Nachfrage und hohen Arbeitslosigkeit eine Stützung noch für angebracht. Im nächsten Jahr sei der Zeitpunkt für einen Ausstieg aber gekommen. In der Geldpolitik könne ein stützender Kurs vorerst noch aufrechterhalten werden, bei allenfalls leichten Anpassungen.

Der IWF rät den USA dringend, ihre Staatsfinanzen auf einen soliden Pfad zurückzuführen und dabei über den von ihr geplanten Defizitabbau noch hinauszugehen. Damit könnten die USA einen wichtigen Beitrag zur mittelfristigen Absicherung des Wachstums und der Stabilität in der Weltwirtschaft leisten. Die USA hatte im Fiskaljahr 2009 ein Budgetdefizit von 1,4 Billionen Dollar.