Ex-Evonik-Chef Werner Müller ist der Spagat gelungen, sowohl das Vertrauen von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) als auch das von dessen Nachfolgerin Angela Merkel zu gewinnen. Dennoch scheint mit dem Wahlsieg von Union und FDP klar, dass Müllers Tage als Chef des Bahn-Aufsichtsrats gezählt sind. „Müller genießt einen guten Ruf bei Merkel“, heißt es zwar in der Union und im Aufsichtsrat selbst.
„Er hat die Kanzlerin stets präzise informiert und umgesetzt, was besprochen war.“ Allerdings ist der Unmut in ihrer Partei über den Chefkontrolleur groß: „Sobald ein Nachfolger gefunden ist, muss er gehen“, sagt ein Unionspolitiker.
Damit stoßen sie beim kleineren Koalitionspartner FDP auf einhellige Zustimmung. Deren langjähriger verkehrspolitischer Sprecher, Horst Friedrich, hatte schon vor zwei Jahren angekündigt, dass die Liberalen im Falle einer Regierungsbeteiligung auf Bundesebene Müller umgehend auswechseln werden.
Sein Nachfolger Patrick Döring hatte gleich nach der Bundestagswahl erklärt: „Wer die Interessen des Bundes im Bahn-Aufsichtsrat vertritt, werden wir anders gewichten, als das bisher der Fall war, auch bei der Person des Aufsichtsratsvorsitzenden.“
Die FDP hat Müller nicht verziehen, dass er die Liberalen in vergangenen Jahren kaum in Bahn-Angelegenheiten informiert und auch nach dem Wahlsieg am Sonntag keinen Kontakt gesucht habe. Selbst von den Gewerkschaften kann Müller wohl keine Unterstützung erwarten. Das Verhältnis sei „sachlich und korrekt“, heißt es ziemlich – und kühl



