Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin reagiert mit einem Kostensenkungsprogramm auf die stark gestiegenen Treibstoffpreise. Mit Beginn des Winterflugplans im Herbst sollen 14 Kurz- und Mittelstreckenjets ausgemustert werden, meldete das Unternehmen. Die Kapazität soll insgesamt um zehn Prozent gekürzt werden, bei Langstreckenflügen um 30 Prozent. Dafür würden Strecken eingestellt, auf anderen soll die Frequenz ausgedünnt werden. Die Verwaltung der 2006 übernommenen Konzerntochter dba in München soll Ende Oktober aufgelöst werden. Für die verbliebenen 52 Beschäftigten werde ein Sozialplan erstellt.


Auch der Billigflieger TUIfly streicht zum Sommer 2009 ertragsschwache Strecken und setzt weniger Maschinen ein. Wie das Unternehmen am Mittwoch in Hannover mitteilte, verringert sich die Zahl der angeflogenen Ziele im Sommerflugplan 2009 um sechs auf 74. Die Zahl der eingesetzten Flugzeuge reduziere sich im Vergleich zum diesjährigen Sommer um drei auf 45. TUIfly wolle sich auf ertragsstarke Strecken konzentrieren, sagte ein Sprecher. Die Zahl der wöchentlichen Verbindungen bleibe aber mit rund 900 in etwa gleich. TUIfly ist eine Tochter des Reiseriesen TUI Travel, an dem die TUI AG die Mehrheit hält.

Noch schlimmer steht es um die US-Airlines

Nicht nur deutsche Fluggesellschaften leiden unter den hohen Treibstoffkosten. Die großen US-Fluggesellschaften werden wegen der Explosion der Ölpreise in diesem Jahr voraussichtlich einen Verlust von zehn Milliarden Dollar einfliegen. Nur 2002 – im Jahr nach den Anschlägen in New York – war das Minus noch etwas größer. Der US-Luftfahrtverband warnte vor dramatischen Konsequenzen für die gesamte US-Wirtschaft. „Die Konjunktur dieser Nation ist mit der Funktionsfähigkeit ihres Lufttransportsystems verbunden. Wenn es mit den Fluggesellschaften bergab geht, wird die Konjunktur ebenfalls abstürzen“, prognostizierte James May von der Air Transport Association bei einer Senatsanhörung.

Die Treibstoffkosten für die Fluggesellschaften werden sich nach Einschätzung von Branchenexperten in diesem Jahr auf über 61 Milliarden Dollar belaufen, 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Sie sind damit der größte Ausgabenposten. Die Fluggesellschaften machen Spekulanten und Manipulation für den jüngsten Ölpreisrekord verantwortlich, während die US-Regierung als Ursache eher die riesige Nachfrage und das geringe Angebot ausmacht.

Die Airlines suchen derzeit verzweifelt nach Auswegen, um die Krise zu bewältigen. Sie entlassen Tausende Mitarbeiter, streichen ihr Streckennetz zusammen und verlangen beispielsweise zusätzliche Gebühren für mehr als zwei Gepäckstücke. Seit Jahresbeginn ist der Ölpreis um rund ein Viertel gestiegen, innerhalb eines Jahres hat er sich sogar mehr als verdoppelt. Rund 200 Gemeinden in den USA könnten wegen der Kürzungen ihren Anschluss an den US-Luftverkehr verlieren, warnte May.

Zuletzt kündigte die Northwest Airlines am Dienstag an, Kapazitäten zu reduzieren und Personal abzubauen, um die steigenden Treibstoffkosten aufzufangen. Bis zum Jahresende will Northwest fast jeden zehnten Flug streichen. Viele Konkurrenten hatten bereits in den vergangenen Wochen die Stilllegung zahlreicher Flugzeuge und Stellenabbau angekündigt.

Reuters/ras