Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin will angesichts hoher Kerosinkosten weiter sparen und stellt die geplante Übernahme des Ferienfliegers Condor auf den Prüfstand. Das im November anlaufende Effizienzprogramm mit der Ausmusterung von 14 Jets und Kapazitätskappungen von zehn Prozent sei „ein erster Schritt zur Konsolidierung“, sagte Vorstandschef Joachim Hunold bei der Hauptversammlung in London. Weitere Maßnahmen sollten Schritt für Schritt folgen. Details nannte er nicht. Trotz erster Erfolge beim Preis- und Kostenmanagement bleibe der Ausblick auf den Rest des Jahres durch ein schwieriges Geschäftsumfeld getrübt.


„Wir wollen die Profitabilität des Unternehmens steigern, ohne in Aktionismus zu verfallen und ohne unsere Markt-Strategie aufzugeben“, sagte Hunold. Dabei steht auch die geplante Mehrheitsübernahme des Ferienfliegers Condor vom Reisekonzern Thomas Cook auf dem Prüfstand. Eine entsprechende Thomas-Cook-Mitteilung sei „in Abstimmung mit uns“ herausgegeben worden, sagte Hunold.

Malte Diesselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sagte, die geplante Condor-Übernahme drohe Air Berlin in der derzeitigen Situation zu überfordern. Da es nun um effiziente Kostenstrukturen gehe, sei dies „ein zu großer Brocken“. Auf eine konkret bezifferte Ergebnisprognose für 2008 legte sich das das Management weiterhin nicht fest. Ende Mai hatte der Vorstand in Aussicht gestellt, trotz der Turbulenzen der weltweiten Luftfahrt ein „positives operatives Ergebnis“ erreichen zu wollen.

Air Berlin klagt gegen Subventionen für Konkurrenten

Air Berlin klagt außerdem derzeit gegen Subventionen für Billigflieger auf deutschen Regionalflugplätzen. In einem Musterprozess soll der Bundesgerichtshof darüber entscheiden. Konkret klagt Air Berlin gegen Sonderkonditionen des Flughafens Lübeck für den irischen Konkurrenten Ryanair. „Wir führen das Verfahren stellvertretend für die ganze Branche", sagte ein Sprecher des Unternehmens der „Leipziger Volkszeitung“.

Für den Branchenverband BDF hat die Klage richtungsweisende Bedeutung, weil sie die Subventionspraxis auf Flugplätzen in Frage stellt und sich gezielt gegen das auf Rabatten und Zuschüssen basierende Geschäftsmodell von Billigfliegern wie Ryanair und Easyjet richtet. „Wir sehen dringenden Regelungsbedarf,“ sagte die Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften (BDF), Tanja Wielgoß, der Zeitung.

Grundlage sind die Beihilfebestimmungen nach europäischem Recht. Air Berlin will nach Angaben seiner Anwältin Gudrun Bechtloff erreichen, dass Wettbewerber an deutschen Flughäfen Auskunft über Beihilfezahlungen verlangen können. Im Fall Lübeck seien Subventionen unzulässigerweise der EU nicht angezeigt worden.

Der Geschäftsführer des Flughafens Lübeck, Johannes Scharnberg, reagierte gelassen auf die Klage. Er betonte der Zeitung zufolge, dass Lübeck mehrheitlich einem privaten Investor gehöre und Beihilfen zulässig seien.

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