In der Debatte um die Riester-Rente hat der Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“ die staatlich geförderte private Altersvorsorge verteidigt. Hermann-Josef Tenhagen sagte der „Bild“-Zeitung, dass auch Geringverdiener weiter Riester-Verträge abschließen sollten. Wer wenig Geld verdiene und darum mit einer sehr kleinen Rente rechnen müsse, habe von der Riester-Rente „in der Tat eher wenig“, sagte Tenhagen. Trotzdem sei es verkehrt, „auf diese großzügig geförderte Vorsorge zu verzichten, nur weil sie mit der Grundsicherung verrechnet werden könnte.“ Niemand könne wissen, ob er im Alter wirklich auf Grundsicherung angewiesen sein werde und wie die Anrechnung bis dahin geregelt sei.
Wer selber vorsorge, sei nicht der Dumme, erklärte der „Finanztest“-Chefredakteur: Nur wer selber für den Ruhestand vorsorge, könne sicher sein, dass er mögliche Versorgungslücken aus eigener finanzieller Kraft ausgleichen könne – und im Zweifelsfall eben nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen sei. Die Riester-Rente bleibe grundsätzlich für jeden Arbeitnehmer sinnvoll, weil es bei keiner anderen Anlageform eine so hohe Förderung und größere Sicherheit gebe. Das selber angesparte Kapital und die staatlichen Zulagen seien bis zur Auszahlung garantiert.
Wer seine Riester-Rente vor der Verrechnung schützen wolle, könne dies innerhalb bestimmter Grenzen tun, riet Tenhagen. „Wer weiß, dass die Verrechnung auf ihn zukommt, kann seinen Vertrag einige Zeit vor dem Ruhestand kündigen. Dann muss er zwar die Förderung zurückzahlen, hat aber immer noch sein eigenes, verzinstes Sparguthaben und kann die Früchte seiner Sparanstrengungen noch in Ruhe ausgeben“, so Tenhagen.
Arbeitgeber warnen vor Sozialmissbrauch
Die Arbeitgeber haben die Kritik an der staatlich geförderten Riester-Rente als „Aufruf zum Sozialleistungsmissbrauch“ zurückgewiesen. Es sei unverantwortlich, das hervorragende Modell mit falschen Behauptungen madig zu machen und Bürger vom Abschluss eines Altersvorsorgevertrags abzuhalten, teilte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) mit. Das ARD-Magazin „Monitor“ hatte berichtet, für viele Geringverdiener werde sich Riester nicht lohnen, weil die Auszahlungen im Alter mit der Grundsicherung verrechnet werden. Bundesweit gibt es fast zehn Millionen Verträge.
„Die Empfehlung, auf ergänzende Altersvorsorge zu verzichten, um sich im Alter durch Inanspruchnahme von Grundsicherung von der steuerzahlenden Allgemeinheit aushalten zu lassen, ist nichts anderes als der Aufruf zum Sozialleistungsmissbrauch“, erklärten die Arbeitgeber.
dpa/AFP/lw



