Die Konjunkturbelebung gibt der deutschen Bauwirtschaft zunehmend Rückenwind. Vor allem wegen mehrerer Großaufträge stieg der Auftragseingang im März um 14,9 Prozent verglichen mit dem Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. „Wir hatten in fast allen Bereichen Zuwächse“, sagte ein Statistiker. Allerdings macht sich der höhere Auftragseingang noch nicht in steigenden Umsätzen bemerkbar: Die Erlöse sanken um 9,3 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Für das erste Quartal liegt das Minus sogar bei 17,1 Prozent.

Dabei dürfte der kalte Winter eine Rolle gespielt haben, der die Bauaktivitäten zum Jahresauftakt nahezu zum Erliegen gebracht hat. Die eingetretene Belebung äußerte sich dadurch, dass den Angaben zufolge Aufträge für ein Einkaufszentrum, große Wohnprojekte oder Bahngleise vergeben wurden. Nur im Straßenbau ist der Auftragseingang rückläufig.

„Die unerwartet gute Auftragsentwicklung im ersten Quartal lässt die Bauunternehmen wieder optimistischer in die nahe Zukunft schauen“, erklärte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie in Berlin. Im gesamten ersten Quartal lag das Plus bei immerhin zehn Prozent. Kräftig nach oben ging es im Wirtschaftsbau, teilte der Industrieverband HDB mit. „Die Bauunternehmen profitierten von der verbesserten Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe“, hieß es dort. Im Jahr 2009 hatte dieser Bereich die kräftigsten Rückgänge erlitten, weil sich viele Unternehmen angesichts der Rezession mit Investitionen zurückhielten.

Städte und Gemeinden überdenken Ausgaben

Doch auch im Wohnungsbau stieg der Auftragseingang, vor allem bei Mehrfamilienhäusern. Im öffentlichen Bau legten die Aufträge trotz des Konjunkturpakets dagegen schwächer zu. Der HDB macht dafür die angespannte Finanzlage in vielen Kommunen verantwortlich: Viele Städte und Gemeinden seien dabei, ihre Investitionspläne zu überdenken.

Die Baubranche selbst rechnet in diesem Jahr insgesamt mit einem leichten Umsatzrückgang von einem Prozent. Es sei zu erwarten, dass der witterungsbedingte Umsatzeinbruch vom Winter im Jahresverlauf nahezu ausgeglichen werde. Das eigentliche Krisenjahr steht der Branche nach Einschätzung des HDB aber erst 2011 bevor.

Zwar litten Produktion und Umsatz im ersten Quartal unter dem kalten Winter wie seit 1991 nicht: Drei von vier Bauunternehmen hatten Produktionseinbußen zu verkraften. Doch der Verband erwartet, „dass der Umsatzeinbruch im ersten Quartal im Jahresverlauf nahezu ausgeglichen wird“. Ende März 2010 waren in den Betrieben des Hoch- und Tiefbaus 680.000 Menschen tätig. Das waren etwa 14.000 oder zwei Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Mitarbeiterstatistik berücksichtigt jedoch erst Unternehmen ab mindestens 20 Beschäftigten.

rtr/dpa/kkl