Bei der Lebensmittelkette Edeka Südbayern sollen Beschäftigte heimlich bespitzelt und gefilmt worden sein. Mehrere Mitarbeiter eines Lagers in Betzigau im Oberallgäu, die verbotenerweise sogenannte Bruchware wie unverkäuflichen Saft getrunken haben, seien daraufhin zur Kündigung genötigt worden, sagten übereinstimmend zwei ehemalige Edeka-Beschäftigte am Donnerstag in Betzigau. Von Edeka Südbayern war bis zum Donnerstagnachmittag keine Stellungnahme zu erhalten.
Eine Konzernsprecherin in Hamburg sagte auf Anfrage: „Wir haben als Zentrale eine umfangreiche Prüfung in Auftrag gegeben.“ Die Ergebnisse würden derzeit zusammengestellt. Warum die Vorgänge geprüft worden waren, wollte die Sprecherin nicht sagen. Über Inhalt und Umfang werde die Öffentlichkeit nicht informiert. Es gehe dabei aber um Punkte, die derzeit in der Öffentlichkeit diskutiert würden.
Die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Allgäuer Zeitung“ hatten berichtet, dass Detektive wochenlang Lagermitarbeiter heimlich ausspionierten. Die Beschäftigten seien daraufhin im vergangenen Dezember zum Betriebsleiter zitiert worden. Hier sollen sie genötigt worden sein, ihre eigene Kündigung zu schreiben.
„Die haben mich bedrängt und genötigt, die Kündigung zu schreiben“, sagte ein 55 Jahre alter Lagerarbeiter. Während der Besprechung beim Betriebsleiter seien auch die Detektive anwesend gewesen, die den Mann zuvor überwacht haben sollen. Die Männer seien der etwa 120 Mann starken Belegschaft im November 2007 als Praktikanten vorgestellt worden.
„Es wurde gesagt, dass sie Filmaufnahmen von mir gemacht haben, als ich eine Flasche Wasser getrunken habe“, berichtete der Mann, der 38 Jahre bei dem Unternehmen beschäftigt war, über die Besprechung im Dezember. Sollte er seine Kündigung schreiben, werde Edeka auf eine Anzeige verzichten. „Als ich mich weigerte zu kündigen, wurde der Druck größer.“ Schließlich habe er sich doch bereit erklärt, das Schriftstück aufzusetzen. Da es seinen Aussagen nach aber den Detektiven zu lange gedauert habe, hätten sie ihm die Kündigung diktiert. Der Mann räumte ein, Bruchware für den Eigenbedarf genutzt zu haben.
Eine ehemalige Arbeitskollegin des Mannes schilderte den Dezembertag ähnlich, an dem den Angaben zufolge mindestens vier Mitarbeiter ihre Kündigung schreiben mussten. Die 48-Jährige und ihr Kollege hatten später beim Arbeitsgericht auf Wiedereinstellung geklagt, konnten jedoch nur eine ordentliche Kündigung erringen.
Die Edeka Handelsgesellschaft Südbayern mbH mit Sitz in Ingolstadt ist eine von sieben Regionalgesellschaften des Edeka-Konzerns aus Hamburg. Sie ist nach eigenen Angaben Marktführer im südbayerischen Raum und beschäftigt mehr als 9000 Menschen.
dpa/mv




