Razzia

Britische Kartellbehörde durchsucht Daimler-Büros

Foto: dpa

Mit diesem Besuch haben die Mitarbeiter von Mercedes-Benz United Kingdom in Tongwell, einem Stadtteil von Milton Keynes nördlich Londons, nicht gerechnet.

Ermittler der britischen Kartellbehörde Office of Fair Trade (OFT) durchsuchten die Büros der Daimler-Landesgesellschaft in England. Die britische Wettbewerbsbehörde verdächtigt Europas Nutzfahrzeughersteller illegaler Preisabsprachen. Daimler meldete in Stuttgart, eng mit den britischen Behörden zusammenzuarbeiten. Der Konzern musste in diesem Jahr bereits wegen Verstoßes gegen das US-Korruptionsgesetz 138 Millionen Euro Geldbuße zahlen. Daimler ist der zweitgrößte Nutzfahrzeughersteller der Welt.

Daimler-Konkurrenten erhielten nur Anfragen. So forderte die OFT den Münchener Lkw-Hersteller MAN zur Stellungnahme auf. Neben Daimler und MAN werden auch der schwedische Konzern Volvo sowie der französische Hersteller Renault wegen möglicher Kartellabsprachen untersucht. Bei der schwedischen VW-Tochter Scania ging ebenfalls ein Brief der britischen Kartellbehörde mit Fragen zu einem Preiskartell ein.

Die OFT meldete in London, die Untersuchungen seien noch in einem frühen Stadium. Ob es Gesetzesübertretungen gegeben habe, könne erst nach Abschluss der Untersuchungen gesagt werden.

Nach Aussage eines OFT-Sprechers wurde eine Person festgenommen und inzwischen gegen Kaution wieder freigelassen. Die Branche schätzt, dass die Untersuchungen noch einige Monate dauern könnten. Der britischen Zeitung "Times" zufolge kann die Behörde Kartellstrafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes eines Unternehmens verhängen. Daimler könnte somit eine Milliardenstrafe drohen.