Studie

Ostdeutsche Wirtschaft holt spürbar auf

Nach wie vor hinkt die Produktivität im Osten dem Westen hinterher. Doch vom jüngsten Aufschwung hat Ostdeutschland erheblich profitiert.

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Ostdeutschland hat 20 Jahre nach der deutschen Einheit seinen Rückstand zwar an vielen Stellen aufgeholt, liegt aber in der Wirtschaftsleistung und der Produktivität immer noch deutlich hinter Westdeutschland. Auch die Arbeitslosigkeit ist immer noch höher als im Westen, stellt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in einer Bilanz 20 Jahre nach der Vereinigung fest. Die Arbeitsmarktforscher sehen aber auch Anlass zur Hoffnung. So habe Ostdeutschland vom letzten Aufschwung in den Jahren 2006 bis 2008 erkennbar profitiert.

Zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung sei der kontinuierliche Rückgang von Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in der Aufschwungphase nicht nur gestoppt, sondern sogar in Zuwächse verwandelt worden. Die Produktivität liegt aber auch heute noch bei nur 70 Prozent des westdeutschen Niveaus. Unmittelbar nach der Wende erreichte Ostdeutschland allerdings erst 30 Prozent. Doch nach wie vor leidet die ostdeutsche Wirtschaft unter strukturellen Nachteilen, stellt die Studie nach der Befragung von 16.000 Unternehmen fest. So gibt es im Osten nur einen relativ kleinen Industriesektor und nur wenige wirtschaftlich erfolgreiche Großunternehmen. Es dominierten Produktionsstätten „ohne höherwertige Unternehmensfunktionen“, schreiben die Forscher. Auch bei Forschung und Entwicklung hinke der Osten hinterher. All dies führe zu einem geringeren Produktivitätsniveau als im Westen.

Da die Exportorientierung im Osten schwächer als im Westen ist, konnte Ostdeutschland in den letzten 20 Jahren nicht so stark wie der Westen von den meist exportgetriebenen Aufschwungphasen profitieren. In der jüngsten Krise erwies sich die geringere Anbindung an die Weltmärkte freilich als Wettbewerbsvorteil. Am stärksten betroffen von der Krise waren der exportstarke Süden der Republik mit seiner Automobil- und Maschinenbauindustrie.

Der Osten ging dagegen mit einem Beschäftigungsplus durch das Krisenjahr 2009. „Zusammen mit der stärkeren Binnenmarktorientierung konnte sich der globale Nachfragerückgang weniger folgenreich auf den ostdeutschen Wirtschaftsraum auswirken“, so die Studie. Auch sonst sei nicht alles schlecht am ostdeutschen Arbeitsmarkt. „In beiden Regionen sind Arbeitsverhältnisse inzwischen gleichermaßen stabil und in der Tendenz stabiler als in den Jahren zuvor“, heißt es in der IAB-Studie. Atypische Beschäftigung wie Teilzeitarbeit und Minijobs habe in den letzten Jahren in Deutschland an Bedeutung gewonnen. Doch dies sei „primär ein westdeutsches Phänomen“.

In ihrem Fazit sprechen die Forscher von „weitreichenden Angleichungsfortschritten“ und einem „rasanten Aufholprozess“. „Vor dem Hintergrund des massiven Zusammenbruchs der ostdeutschen Wirtschaft nach der Währungsunion 1990 ist die Erneuerung der wirtschaftlichen Basis Ostdeutschlands weit vorangekommen“, stellen sie fest. Der materielle Wohlstand sei deutlich gesteigert worden. Die einst marode Infrastruktur und Bausubstanz seien weitgehend modernisiert worden. Der Umweltschutz sei weit vorangekommen, und auch die Wohnsituation habe sich erheblich verbessert.