Fredriksen hat mit seiner Investition viel Geld verloren und trotzdem seinen Anteil an Europas größtem Tourismuskonzern erheblich aufgestockt. Er ist heute der größte Einzelaktionär des Unternehmens und will seine Interessen künftig im Aufsichtsrat der TUI durchzusetzen. Der Milliardär hat offensichtlich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich sein Investment doch noch auszahlt.

Doch der Aufsichtsrat der TUI kann sich Fredriksen nur schwer als Ratgeber und Kontrolleur der TUI-Geschäfte vorstellen. Einen Vertreter in das Aufsichtsgremium hätte Fredriksen schicken können. Das lehnt er aber kategorisch ab – und lässt es auf der Hauptversammlung wie im Vorjahr zu einer Kampfabstimmung kommen – die er zum Schluss erneut verliert.

Im Saal der Hannoveraner Eilenriede-Halle zeichnete Tor Olav Troim, Fredriksens Vertreter, den Aktionären zuvor ein düsteres Zukunftsbild. Eine der strategischen Grundfragen bei TUI ist mit dem Verkauf der Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd zwar geklärt. Doch Frieden herrscht deshalb längst nicht. Wegen der hohen Verschuldung und der Zahlungsverpflichtungen „laufen wir Gefahr, das Unternehmen insgesamt zu verlieren“, warnte Troim – und forderte die Abwahl des Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Krumnow. Viele Aktionäre applaudierten.

Anwesend sind Vertreter von 68,96 Prozent des Grundkapitals und damit rund zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Damals war Fredriksen nur knapp damit gescheitert, den TUI-Aufsichtsratschef aus dem Amt zu drängen, um selbst ins Gremium einzuziehen. Vorausgegangen waren wochenlange Scharmützel in der Öffentlichkeit, in denen Fredriksen vor allem die Abspaltung der Schifffahrt gefordert hatte. Nach der turbulenten Hauptversammlung 2008 hatte TUI-Chef Michael Frenzel dann tatsächlich den Verkauf der Traditionslinie in Angriff genommen.

Dennoch liest sich auch diesmal die Kritik des Norwegers wie eine lange Liste von Versäumnissen und Fehlentscheidungen. So soll TUI-Chef Frenzel das beste Angebot für Hapag-Lloyd verpasst haben. „Wir wissen, dass es im Januar 2008 Käufer gab, die bereit gewesen wären, fünf Milliarden Euro in bar für Hapag-Lloyd zu bieten“, sagt Troim. TUI aber habe auf Zeit gespielt und es versäumt, rechtzeitig zu handeln. Troim spielt auf die Containerreederei Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur an. TUI hatte mit dem asiatischen Konzern verhandelt, spricht aber von einem wesentlich niedrigeren Preisangebot.

Tatsächlich war NOL zu dem Zeitpunkt bereit, einen hohen Preis zu zahlen: Allerdings waren dies nach Informationen von Morgenpost Online aus Singapur fünf Milliarden US-Dollar – das entsprach damals knapp vier Milliarden. Euro. Beim Zuschlag hätten die Asiaten allerdings die Zentralen aus Singapur und Hamburg zusammengelegt und Hapag-Lloyd umgebaut. Der spätere Käufer, das Konsortium Albert Ballin, hat dagegen weitreichende Zusagen für den Standort Hamburg gegeben.

Troim lässt sich nicht beirren. Mit meist grimmigem Blick in das Publikum hinein fordert er, dass jemand aus dem Aufsichtsrat die Verantwortung für die schwachen Leistungen des TUI-Vorstands verantworten müsse. „Sehr geehrter Herr Krumnow, treten sie zurück“, sagt Troim mit gequältem Lächeln in Richtung Podium. Er kritisiert die Vergütung der TUI-Spitze und fordert eine Sonderprüfung. Gleichzeitig stellt er eine Kapitalspritze in Aussicht. Fredriksen habe eine Milliarde Euro an Barmitteln.

Im Streit um die Besetzung des TUI-Aufsichtsrats, dem Fredriksen trotz seines auf 18 Prozent aufgestockten Anteils nicht angehört, bietet der Norweger einen Kompromiss an. „Fredriksen oder ich und ein deutscher Repräsentant könnten in das Gremium gehen“, sagt Troim zu Morgenpost Online. Troim weiß, seine Erfolgschancen sind auch in diesem Jahr begrenzt. Bereits im Vorfeld hatten sich namhafte norddeutsche Kaufleute und TUI-Anteilseigner auf die Seite der Hannoveraner geschlagen.

Am Abend scheiterte denn auch der Antrag auf Abwahl von Krumnow. 65,09 Prozent der anwesenden Stimmen stimmten für den Verbleib des Aufsichtsratschefs.