Der Bundesvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, hat die Deutsche Bahn AG aufgefordert, auf die ankündigten Preiserhöhungen im Personenverkehr ganz zu verzichten. „Es ist wenig klug, jetzt in der Krise, wo viele aus Gründen der Sparsamkeit auf die Bahn umsteigen, die Preise zu erhöhen. Das wird die Bahn Kunden kosten“, sagte Naumann Morgenpost Online.
„Zudem steht der Personenverkehr der Bahn derzeit nicht so schlecht da“, sagte der Pro-Bahn-Chef. Nach Angabe der Bahn hat der Personenverkehr trotz Wirtschaftskrise tatsächlich keine signifikanten Rückgänge zu verzeichnen. „Es ist nicht einzusehen, warum die Kunden im Fern- und Regionalverkehr für die Einbrüche im Schienengüterverkehr draufzahlen sollen. Das sind getrennte Gesellschaften unter einem Konzerndach“, sagte Naumann.
Er forderte die Bahn auf, statt an der Preisspirale zu drehen, alternative Angebote zu machen, die mehr Menschen in die Züge lockten. „Wenn der Konzern spezielle Angebote wie Familientickets oder das Dauer-Spezial ausweitet, bekommt sie mehr Fahrgäste. Und verdient auch mehr.“ Strategisch sinnvoller als Preiserhöhungen sei zudem besseres Marketing. „Die Airlines sind der Bahn da immer noch meilenweit voraus.“ Auch die Qualität im Personenverkehr rechtfertige keine Preiserhöhungen“, so Naumann. „Da ist zwar vieles besser geworden, aber es reicht nicht.“
Keine neuen Tarife im Regionalverkehr
Bahnchef Rüdiger Grube hatte angekündigt, die Kunden im Personenverkehr müssten sich zum Fahrplanwechsel im Dezember auf Preiserhöhungen einstellen. Er begründete das mit Mehrkosten. Die Tarife würden „mit Augenmaß“ angehoben. „Innerhalb von sieben Tagen fällt die Entscheidung über die Anhebung der Preise“, sagte ein Bahn-Manager Morgenpost Online.
Im Regionalverkehr innerhalb des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg ist nicht mit teureren Tickets zu rechnen. „Die geplante Erhöhung zum 1. April fällt aufgrund des S-Bahn-Chaos aus. Alles andere wäre auch nicht vermittelbar gewesen“, sagte Jens Wieseke, stellvertretender Vorsitzender des Berliner Fahrgastverbandes Igeb, Morgenpost Online.
In den vergangenen Jahren hat die Bahn die Preise im Nah- und Fernverkehr regelmäßig angehoben – seit 2004 sogar sechs Mal. Zuletzt stiegen die Tarife im Dezember vergangenen Jahres um durchschnittlich 3,9 Prozent. Der Bahn-Konzern erwartet in diesem Jahr erhebliche Einbußen, die ganz überwiegend aus dem Einbruch im Schienengüterverkehr herrühren – eine Folge der Wirtschaftskrise. Finanzvorstand Diethelm Sack hatte jüngst gesagt, man werde fünf Jahre brauchen, um wieder auf die Volumina von 2007 und des ersten Halbjahres 2008 zu kommen.


