Noch vor einem Jahr hatte der besonnene Chef von Europas größtem Unterhaltungskonzern RTL Group, Gerhard Zeiler, angesichts der Wirtschaftskrise skeptische Blicke in die Zukunft geworfen. Angesichts eines Rekordergebnisses für das erste Halbjahr 2010 ist bei RTL inzwischen jedoch wieder entspannte Stimmung eingekehrt: Vor allem weil sich die Werbemärkte deutlich stärker erholten als Branchenexperten kalkuliert hatten, verdiente die in Luxemburg ansässige Gruppe zwischen Januar und Juni diesen Jahres so viel wie noch nie zuvor in diesem Zeitraum.

Bei einem Umsatz von 2,66 Mrd. Euro steigerte die RTL Group ihren Vorsteuergewinn (Ebita) um 46 Prozent auf 537 Mio. Euro, während das Nachsteuerergebnis bei 308 Mio. Euro lag. Im Vorjahreszeitraum hatte es wegen hoher Abschreibungen noch tief in den roten Zahlen gelegen, bei minus 62 Mio. Euro. „Ich bin glücklich zu sehen, dass die Wirtschaft meine schlimmsten Befürchtungen nicht bestätigt hat“, sagte Zeiler. Zwar sei das Vorweihnachtsgeschäft noch kaum einzuschätzen. Dennoch rechne er auch für das Gesamtjahr mit einer deutlichen Ergebnissteigerung.

Die jüngsten Nachrichten aus dem Hause RTL nähren die Hoffnung, dass die schlimmsten Zeiten der Werbekrise überstanden sind. Im Zuge der Wirtschaftskrise hatten Unternehmen reihenweise ihre Werbebudgets zusammen gestrichen, was Medienhäusern weltweit die Geschäfte vermieste.

Obwohl Branchenexperten noch zu Anfang des Jahres kaum Prognosen wagten, haben sich die Werbemärkte aber deutlich besser geschlagen als erwartet: Laut RTL-Chef Zeiler sind vor allem die TV-Märkte in Westeuropa deutlich stärker zurückgekommen als erwartet. Die RTL Group profitierte zudem von einem Sparprogramm, das 2009 als Antwort auf die Krise aufgesetzt wurde und bei dem unter anderem die Programmkosten gesenkt wurden.

Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Nielsen legten die Reklameeinnahmen der deutschen Fernsehsender in der ersten Jahreshälfte um 15 Prozent auf 5,6 Mrd. Euro zu. Vor allem große Konsumgüter-Konzerne wie Procter&Gamble Unilever hätten die Fernsehreklame wiederentdeckt.

Besonders RTL Deutschland profitierte davon. Bei einem Umsatzplus von fünf Prozent auf 864 Mio. Euro stieg der operative Gewinn um zwei Drittel auf 257 Mio. Euro. Die RTL-Gruppe, die zu rund 90 Prozent im Besitz des Medienkonzerns Bertelsmann ist, verdient damit jeden zweiten Euro in Deutschland. Gleichzeitig hat der TV-Konzern trotz seines Sparkurses mehr Zuschauer angelockt als zuvor und konnte so den Vorsprung vor seinen Konkurrenten ausbauen.

Der Marktanteil sei in der Zielgruppe der 14 bis 49-jährigen Zuschauer auf knapp 35 Prozent gestiegen – ein neuer Höchstwert und fünf Prozentpunkte vor ProSiebenSat.1. Gerhard Zeiler wird die Geschicke der RTL Group auch künftig weiter lenken: Er habe vor kurzem einen Vertrag bis Ende 2015 unterschrieben, sagte der 55-Jährige, der seit 2003 im Amt ist. Zu RTL gehören europaweit mehr als 40 Fernsehsender und über 30 Radiostationen.