Der Energiekonzern E.on will im Zuge einer Neuausrichtung seines Vertriebs fast 2000 Stellen in Deutschland abbauen. Dies sagte der Chef der für Deutschland zuständigen Konzerntochter E.on Energie, Klaus-Dieter Maubach, Morgenpost Online. Nach seinen Worten sollen sechs der sieben E.on-Regionalgesellschaften gebündelt werden. Gleichzeitig würden rund zehn Prozent der Stellen im E.on Vertrieb gestrichen. Gleichzeitig machte der Manager klar, dass Verbraucher mit weiterhin steigenden Energiepreisen rechnen müssten.
„Von den heute über 60 Standorten sollen in Zukunft nur noch bis zu 20 erhalten bleiben“, sagte Maubach. Insgesamt würden bei der Umstrukturierung bis zu 1800 Stellen der rund 15000 Stellen sozialverträglich gestrichen. „Niemandem wird gekündigt“, beteuerte Maubach. „Wir setzen unter anderem auf Altersteilzeit.“ Die Verlagerungen würden Standorte in ganz Deutschland betreffen. Die Einsparungen sollen laut Maubach insgesamt mehrere Hundert Millionen Euro bringen.
Die Planungen für den Konzernumbau begannen vor rund zwei Jahren unter dem Namen „Regi.on“. Ziel des Konzernumbaus ist es, im härteren Wettbewerb auf dem Energiemarkt mit geringeren Kosten bestehen zu können. Dazu sollen Produkt- und Preispolitik der Regionalgesellschaften unter einem Dach gestaltet werden. So könnten schneller neue Angebote entwickelt werden. Auch auf Konkurrenten in einzelnen Regionalmärkten werde man schneller reagieren können, sagte Maubach.
Nach außen hin sollen allerdings die Regionalgesellschaften weiter unter ihren hergebrachten Marken existieren. Die Umbauten sollen bis Ende 2012 abgeschlossen werden. Allein die E.on Regionalgesellschaft in Thüringen beteilige sich nicht an der neuen Struktur, sagte Maubach. Dort hätten die beteiligten Kommunen zu weit reichende Forderungen gestellt.
Bislang wurden die Stromtarife in jeder Gesellschaft eigenständig entwickelt. So konnte es Monate dauern, bis ein neues Stromprodukt, wie etwa ein Ökotarif, auf den Markt kam. In den vergangenen Monaten hatte E.on im klassischen Geschäft rund 600000 Kunden verloren. „Glücklicherweise konnten wir diesen Verlust durch unsere Tochter ‚E - wie einfach' deutlich überkompensieren“, sagte Maubach. Via Internet habe E.on über 800000 Kunden gewonnen.
Trotzdem sei es absehbar, dass die Leistungsfähigkeit der Regionalgesellschaften gesteigert werden müsse. Selbst „E - wie einfach“ habe wegen der weltweit gestiegenen Gaspreise seine Preisgarantie für Gas aufgeben müssen. Auch werde derzeit überprüft, ob die Strompreisgarantie bei dem Billiganbieter noch lange zu halten sei.
Daher machte der Manager seinen Kunden wenig Hoffnung auf sinkende Preise. „Die Energiekosten sind überall weiter auf einem hohen Niveau, wir können uns nicht in Deutschland von der Welt abkoppeln.“ So sei der Ölpreis zwar auf rund 120 Euro gefallen, aber immer noch doppelt so hoch wie vor zwei Jahren.
Auch die Aktivitäten der Bundesregierung, über Anreize für den Wettbewerb für sinkende Preise zu sorgen, beurteilt Maubach skeptisch. „Es ist beispielsweise der Bundesnetzagentur zwar gelungen, in ihrem Bereich die Kosten für den Netzbetrieb zu senken. Doch diese Kosten machen nur einen sehr geringen Teil am Strompreis aus.“ Und trotzdem sei der sogenannte Staatsanteil an den Strompreisen über hohe Abgaben und Steuern in den vergangenen Jahren überproportional gewachsen. So habe der Staat für steigende Preise gesorgt, meint Maubach.




