Ben Bernanke darf Vorsitzender der amerikanischen Zentralbank, der Federal Reserve, bleiben: Mit dieser Entscheidung erspart sich US-Präsident Barack Obama einigen politischen Ärger. Bernanke ist Parteigänger der oppositionellen Republikaner, zugleich jedoch unideologisch genug, um für die moderaten Kräfte in Obamas demokratischer Partei akzeptabel zu sein.
Der Fed-Chef ist aber nicht nur die einfache Wahl – er ist auch die richtige. Erstens drohte bei jedem anderen Kandidaten das Krisenmanagement der Fed unnötig politisiert zu werden – dafür würden schon die fälligen Anhörungen vor dem Washingtoner Senat sorgen. Zweitens gibt es praktisch niemanden, der bessere Voraussetzungen mitbringt: Bernanke hat nicht nur Praxiserfahrung als Geldpolitiker. Der Princeton-Professor ist auch einer der weltweit renommiertesten Experten für geldpolitische Theorie und Geschichte.
Diese Qualifikationen haben Bernanke nicht vor Fehlentscheidungen bewahrt: Er und der damalige US-Finanzminister Hank Paulson waren es, die vor einem Jahr den fatalen Fehler machten, die Investmentbank Lehman Brothers Pleite gehen zu lassen. Aber Bernanke war es auch, der erkannte, was die nachfolgenden Wochen von ihm forderten: Von ihm mehr als von jedem anderen hing es ab, ob die Weltwirtschaft eine Neuauflage der Großen Depression erleben würde oder nicht. Wenn es nun bereits weltweit Anzeichen einer konjunkturellen Erholung gibt, dann liegt das vor allem an einem ganzen Strauß unkonventioneller Maßnahmen der Bernanke-Fed.
Kritiker monieren, Bernankes Politik drohe in hohen Inflationsraten und neuen Blasen bei anderen Vermögenswerten zu münden. Die Gefahr besteht in der Tat. Nur ist das ein Grund mehr, den Fed-Vorsitz mit dem besten Experten zu besetzen, der sich finden lässt: mit Ben Bernanke eben.





