Eckhard Cordes, Chef des Kaufhof-Mutterkonzerns Metro, hat in einem Brief an Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) Gespräche über die Zusammenarbeit mit der angeschlagenen Karstadt AG oder die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft vorgeschlagen. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick reagierte zurückhaltend, ist grundsätzlich aber zu Gesprächen „auf Augenhöhe“ bereit.
Neben dem Ministerium sind offenbar auch Vertreter der Regierungsparteien CDU und SPD eingeschaltet. „Es gibt erste positive Reaktionen aus Berlin“, sagte ein mit den Verhandlungen Vertrauter gegenüber Morgenpost Online. In der kommenden Woche soll es weitere Gespräche geben.
Kaufhof betreibt in Deutschland mit 25.000 Mitarbeitern 113 Warenhäuser, Karstadt kommt mit rund 30.000 Beschäftigten auf 120 Häuser – in vielen Städten sind beide Marken vertreten. Deshalb könnten nach Schätzungen von Beobachtern wohl kaum mehr als 150 der Häuser auf Dauer überleben. Tausende Stellen wären in Gefahr bei einem Zusammenschluss. Während Kaufhof profitabel ist, verbrennt Karstadt seit langem Geld.
Offenbar ist an eine eigenständige Gesellschaft gedacht, an der die beiden Konzerne Metro und Arcandor große Minderheitsanteile übernehmen sollen. Auch Vermieter und Banken könnten zum Gesellschafterkreis gehören. Sollte das Konzept Realität werden, hat sich wahrscheinlich der von Karstadt angekündigte Verkauf der Top-Warenhäuser KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München erledigt. Die Premiumhäuser würden schließlich auch der großen Warenhauskoalition gut stehen. Die Gewerkschaft Ver.di hat im Arcandor-Aufsichtsrat bereits gegen die Verkaufspläne protestiert.
Damit lässt die neuerliche Existenzkrise der Karstadt-Mutter Arcandor jetzt die seit Jahren diskutierte „Deutsche Warenhaus AG“ so wahrscheinlich werden wie noch nie. Arcandor hatte am Freitag angekündigt, wegen Finanzierungsengpässen beim Wirtschaftsministerium noch in dieser Woche eine Staatsbürgschaft in Höhe von 650 Mio. Euro sowie einen Kredit bei der staatlichen KfW-Bank zu beantragen. Für Sonntagnachmittag war eine außerordentliche Sitzung des Arcandor-Aufsichtsrats angesetzt. Ergebnisse lagen zu Redaktionsschluss noch nicht vor.
Gespräche mit Politikern
Die Frage der Bürgschaft und die der Warenhausunion könnten jetzt im Ministerium im Paket behandelt werden. Für die drei Häuser und andere Verkaufskandidaten wurde bereits eine Gesellschaft unter dem Arcandor-Dach gegründet. Die Zeit drängt für den Essener Konzern: Noch im diesem Jahr muss Arcandor rund 900 Millionen Euro auslaufender Kredite verlängern, 650 Millionen Euro davon bis zum 12. Juni.
Um den Banken in den Verhandlungen Bürgschaften anbieten zu können, hatte Eick in den vergangenen Wochen bereits Gespräche mit maßgeblichen Politikern geführt. Das Engagement der Politik für die Kaufhäuser erklärt sich auch aus der Tatsache, dass im Herbst der Bundestag neu gewählt wird. Bei einer Insolvenz von Arcandor wären in Deutschland rund 50.000 Jobs gefährdet, über 30.000 allein bei Karstadt.
Metro ist offenbar nicht an einer klassischen Übernahme von Karstadt interessiert. „Es geht nur um das operative Geschäft, nicht etwa um die Zentrale“, hieß es bei dem Düsseldorfer Konzern. Metro will auch deshalb weniger als die Hälfte der Anteile der neuen Gesellschaft halten, um nicht Karstadts Schulden übernehmen zu müssen. Arcandor verbrennt nach Zahlen von Firmenkennern monatlich 40 bis 50 Millionen Euro, den Großteil bei Karstadt. Insbesondere beim Metro-Großaktionär Haniel will man keinesfalls das gesamte Karstadt-Portfolio mit vielen schwachen Häusern übernehmen, sondern nur die zukunftsfähigen Standorte.
Zahlen über gute Häuser
Metro hat schon seit längerem genaue Zahlen darüber, welche Karstadt-Häuser gut laufen und welche nicht. In Düsseldorf glaubt man, dass viele bisher unprofitable Karstadt-Filialen unter Leitung der Kölner Kaufhof-Zentrale durchaus erfolgreich sein könnten. Dazu sei es aber notwendig, dass die Mietkosten sinken. Die sind bei Karstadt besonders hoch, weitere Erhöhungen sind bereits vereinbart.
Unterdessen bringen sich auch Interessenten für Teile der Arcandor-Versandsparte Primondo in Position. Hans-Otto Schrader etwa, Chef des Hamburger Versenders Otto, erklärte gegenüber der „Wirtschaftswoche“ Interesse an Spezialsendern, die ein e-commerce-fähiges Geschäftsmodell haben.




