Die Pharma-Industrie soll nach dem Willen der EU-Kommission Produktinformationen über verschreibungspflichtige Medikamente in Printmedien platzieren dürfen. EU-Industriekommissar Günter Verheugen schlug in Brüssel vor, solche Veröffentlichungen in Tageszeitungen, Zeitschriften und im Internet zu erlauben. Der EU-Kommissar sieht darin keine Lockerung des Werbeverbots für rezeptpflichtige Arzneien: "Es bleibt selbstverständlich dabei, dass Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente verboten ist.“

Bislang sind Hersteller-Informationen über verschreibungspflichtige Medikamente in den Medien tabu. Nach dem Vorschlag der EU-Kommission sollen sie künftig in "gesundheitsbezogenen“ Publikationen erlaubt sein. Die genaue Definition dieser Publikationen will Brüssel den einzelnen EU-Staaten überlassen. Grundsätzlich komme aber auch eine Gesundheitsbeilage oder Sonderseite einer Tageszeitung in Frage, sagte Verheugen: "Es ist prinzipiell kein Printmedium von diesen Möglichkeiten ausgeschlossen.“

Der Industriekommissar begründete seinen umstrittenen Vorstoß damit, dass bislang viele irreführende Informationen über Medikamente im Umlauf seien. Dies gelte insbesondere fürs Internet, weil ausländische Websites vom EU-Werbeverbot für Medikamente nicht erfasst sind. Aber auch in Printmedien tauchten häufig „als redaktionelle Beiträge etikettierte, aber in Wahrheit von der Industrie finanzierte Informationen“ auf. „Mir geht es vor allem darum, Schleichwerbung zu verhindern“, beteuerte Verheugen.

Zudem will die EU offensiv gegen gefälschte Arzneimittel vorgehen. Gefälschte Medikamente sind in Europa nach Ansicht der EU-Kommission eine wachsende Gefahr für die öffentliche Gesundheit. Die Kommission legte einen Gesetzentwurf vor, nach dem Arzneimittel künftig mit einem speziellen Siegel versehen werden sollen. Damit könne der Weg der Originalverpackung vom Hersteller bis zum Verbraucher verfolgt werden, sagte Verheugen.

dpa/AP/ras