Als Angela Merkel Ende März die Rettung von Opel zur Chefsache erklärte, hatte die Kanzlerin wohl andere Vorstellungen vom weiteren Verlauf der Ereignisse. Wenn Opel schon kurz vor der Bundestagswahl mit Hilfe von Steuergeldern gerettet müsse, dann sollte dieser Erfolg auch mit ihr in Verbindung gebracht werden und nicht mit ihrem Konkurrenten um das Kanzleramt, Frank-Walter Steinmeier – so das Kalkül.
Damals schien die Sache einfach: Die Opel-Mutter General Motors war angesichts der katastrophalen eigenen Lage kaum handlungsfähig. Dass sich die Amerikaner in den Gesprächen mit den Deutschen den Wünschen der Kanzlerin widersetzen könnten, schien unvorstellbar. Derart groß war das Selbstbewusstsein hierzulande, dass man in Berlin sogar glaubte, GM den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und die russische Sber-Bank als Käufer diktieren zu können. Immerhin war Deutschland ja bereit, Opel mit Milliarden unter die Arme zu greifen.
Ein halbes Jahr später sieht die Lage anders aus. GM ist nun ein amerikanischer Staatskonzern. Mit Rückendeckung der US-Regierung denkt der Koloss nicht daran, sich von einer kleinen Tochter in Europa und der Bundesregierung eine Entscheidung aufzwingen zu lassen. Im Interesse des eigenen Überlebens will sich der einst größte Autokonzern der Welt den Zugriff auf Opel sichern, möglicherweise die Firma sogar behalten. Und das ist normal: Schließlich hängen vom Überleben des Autogiganten in den USA weit mehr Arbeitsplätze ab als von Opels Existenz in Deutschland.
Nun rächt es sich für Merkel, dass sie sich entgegen ihrer sonstigen Vorsicht aus wahltaktischen Gründen dieses Mal früh festgelegt hat. Ohne Not hat sich die Kanzlerin jeder Verhandlungsoption gegenüber GM weitgehend beraubt. Am Ende würde sie wohl sogar allen Forderungen der Amerikaner nachgeben. Denn eine andere Lösung als ein Verkauf an Magna und die Russen wird ihr der Konkurrent Steinmeier als persönliche Niederlage anheften.





