Sie setzt sich fort, die schier endlose Reihe der Hiobsbotschaften von der Hypo Real Estate. Zwar hatte Vorstandschef Axel Wieandt bereits angekündigt, der Immobilien- und Staatsfinanzierer werde im zweiten Quartal mindestens einen hohen dreistelligen Millionenbetrag für faule Kredite zurückstellen müssen. Daher ist der Verlust von gut 1,1 Milliarden Euro im ersten Halbjahr keine Überraschung. Doch Wieandts langfristiger Ausblick fällt noch ein Stück ernüchternder aus als bisher. Verluste in den Jahren 2009 und 2010 hatte er schon länger befürchtet, nun ist er noch pessimistischer: Frühestens 2012, so gibt er an, sei wieder ein Gewinn möglich.
Damit ist nun endgültig die Mär enttarnt, die die frühere Bankführung um den geschassten Vorstandschef Georg Funke noch nach den ersten Rettungsaktionen im Oktober 2008 verbreitete und die sich auch in den folgenden Monaten hartnäckig hielt: Die HRE sei an sich eine gesunde Bank, die nur durch die kurzfristigen Refinanzierungsprobleme der Staatsfinanzierungstochter Depfa in den Abgrund gerutscht sei.
Quartal um Quartal wird aber deutlicher, dass die Probleme tiefer sitzen: Auch das Kerngeschäft der Hypo Real Estate, die Finanzierung von Büro- und Industriegebäuden, ist zu erheblichen Teilen auf Sand gebaut. Zu große Darlehenssummen, zu riskante Projekte, zu wenig Sicherheiten – die Milliardenabschreibungen auf Immobilienkredite im ersten Halbjahr werden kaum die letzten sein.
Damit ist auch klar, dass ein massiver Einstieg des Staates unvermeidlich war – bloße Bürgschaften hätten nie und nimmer ausgereicht, um die Bank zu stabilisieren. Der Bund wird wie angekündigt noch mehr zuschießen müssen als die bisherigen drei Milliarden Euro, die die Bank als Kapitalstütze erhalten hat. Die Kernkapitalquote von 6,9 Prozent ist kaum mehr als das Existenzminimum, weitere Verluste lassen sich damit nicht abfedern.
Doch mehr und mehr drängt sich die Frage auf, wie dieses Geld je wieder hereinkommen soll. Denn Sanierer Wieandt findet wenig gesundes Geschäft vor, um künftig wieder ordentliche Gewinne zu schreiben. Die Immobilienfinanzierung soll der Nukleus seiner neuen Bank werden, doch selbst diesen Kern muss er eben erst von zahllosen Faulstellen beseitigen. Eine Bad-Bank-Lösung würde ihm dabei helfen und ist daher dringend nötig – aber für den Steuerzahler bleibt dies nach der Verstaatlichung der HRE eine Verschiebung von der linken in die rechte Tasche. Und von Wieandts Kern bleibt am Ende womöglich recht wenig übrig.
Der Steuerzahler steht mittlerweile bei etlichen Banken im Risiko. Die HRE gehört zur traurigen Spitzengruppe derer, bei denen eine Rückzahlung der Milliardenhilfen besonders ungewiss ist.




