Karstadt-Interessent Maurizio Borletti wehrt sich gegen eine mögliche weitere Verlängerung der Verkaufsfrist zugunsten Nicolas Berggruens. „Wir bitten den Insolvenzverwalter in einem Schreiben, im Gläubigerausschuss nicht für eine weitere Verlängerung einzutreten, sondern das Verfahren für uns zu öffnen“, sagte Borletti . Der italienische Warenhausbetreiber hatte Ende vergangener Woche überraschend eine Kaufofferte über 100 Millionen Euro für Karstadt abgegeben. Damit wolle er einspringen, wenn sich Berggruen, der vor zwei Monaten bereits den Kaufvertrag unterschrieben hatte, nicht mit den übrigen Beteiligten über die Konditionen der Übernahme einigen kann. „Das hat er seit Wochen nicht geschafft“, sagte Borletti.
Nun tagt der Karstadt-Gläubigerausschuss erneut. Vieles spricht dafür, dass Berggruen abermals zusätzliche Zeit gegeben wird, seine Verhandlungen erfolgreich abzuschließen. Derzeit ist der abschließende Gerichtstermin für den 10. August vorgesehen, zuvor gab es bereits Termine am 31. Mai und am 16. Juli, die alle verschoben wurden. Jetzt könnte die nächste Verlängerung anstehen. Unmittelbar vor der Sitzung pocht Borletti nun unüberhörbar an die Tür des mächtigen Ausschusses: „Wenn uns die Möglichkeit für eine Präsentation gegeben wird, haben wir eine Chance. Unser Angebot ist das Beste für alle Beteiligten. Derzeit allerdings werden wir aus dem Prozess herausgehalten“, sagte Borletti. Er versicherte: „Wir haben alle nötigen Dokumente bereit. Wir könnten das Geschäft sehr schnell abschließen“.
Dem Vermieterkonsortium Highstreet biete er Konditionen, die langfristig besser seien als jene von Berggruen. Und die 25.000 Mitarbeiter der Warenhauskette stünden hinter ihm, erklärte er, weitere finanzielle Abschläge, Entlassungen oder Mehrarbeit seien nicht erforderlich. Die Gewerkschaft ver.di allerdings führte nach eigenen Angaben bisher keine Gespräche mit Borletti. „Wir haben weiterhin Zweifel an der Seriosität dessen, was Herr Borletti ein Angebot nennt“, sagte ein Sprecher. Als Finanzpartner hat Borletti den US-Investor Gordon Brothers mit im Boot. Wie viel des angebotenen Kaufpreises von 100 Millionen Euro die Borletti Group selber beisteuert, ob sie überhaupt eigenes Geld einsetzt, verriet er nicht.
Borletti pocht auf seine Einzelhandels-Kompetenz
Auch bei den Ergebniszahlen seiner Warenhausketten La Rinascente in Italien und Printemps in Frankreich, hielt er sich zurück: „Wir sind ein privates Unternehmen. Aber ich kann sagen, dass unsere Ergebnisse jedes Jahr besser werden“, sagte Borletti. Gut sind die Ergebnisse allerdings noch nicht. Nach Informationen von Morgenpost Online verbrannte La Rinascente in den vergangenen Jahren reichlich Geld: 2006 lag der Vorsteuer-Verlust noch bei 17 Millionen Euro. Die Summe reduzierte sich über elf Millionen. Euro und zehn Millionen Euro auf ein Minus von 6,6 Millionen Euro im Geschäftsjahr, das am 30. September 2009 endete. In jenem Jahr wurde die Belegschaft um rund 300 Mitarbeiter reduziert. Borlettis französische Warenhauskette Printemps weist zum Ende des Geschäftsjahres 2008/2009 (31. März) einen Verlust von rund 28 Millionen Euro aus.
Borletti verwies mit Blick auf die beiden Kaufhausketten in Italien und Frankreich auf seine Einzelhandelskompetenz. Zwar böten die Flaggschiffe in Mailand und Paris sehr viel Luxus, doch verkauften beide Ketten vor allem Waren zu Durchschnittspreisen. Diese Erfahrungen könne er für Karstadt nutzen. Neben den drei Premium Häusern KaDeWe in Berlin, Oberpollinger in München und Alsterhaus in Hamburg, das er sehr gut aus seiner Zeit als Chef des Tafelsilberherstellers Christofle kenne, sieht er allenfalls noch Platz für zwei oder drei Edel-Kaufhäuser in Deutschland.
Unter Borletti würde Karstadt ein deutsches Management haben und weitgehend unabhängig von der Mailänder Zentrale arbeiten, kündigte er an. In den vergangenen Jahren sei zu wenig in die Häuser investiert worden. Er glaube an Karstadt, weil Kunden wieder gerne in den Innenstädten einkaufen. Und noch ein Versprechen machte Borletti: Wenn er bei Karstadt zum Zuge komme, „spreche ich in sechs Monaten deutsch“, sagte er – auf Englisch.





