Air Berlin profitiert vom Sparzwang in vielen Unternehmen und kommt bislang recht gut durch die Wirtschaftskrise. Immer häufiger buchen Geschäftsreisende Flüge bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft statt teurer Businessclass-Tickets der Konkurrenz. Dadurch konnte das Unternehmen Einbrüche im Geschäft mit Ferienflügen ausgleichen. Im zweiten Quartal des Jahres stieg der Betriebsgewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Drittel auf 17,6 Mio. Euro. Allerdings plagen den Konzern hohe Schulden und ein ungelöster Konflikt mit Piloten der Tochtergesellschaft LTU.

Air Berlin agiert in einem turbulenten Markt. Weltweit ist die Luftfahrtbranche im Zuge der Rezession in eine schwere Krise gerutscht. Der Branchenverband IATA rechnet für 2009 mit einem Umsatzrückgang von 15 Prozent. Zahlreiche Fluggesellschaften sind in Existenznot, darunter auch Schwergewichte wie British Airways. Sie werden die teuren Tickets der Businessclass kaum noch los. Neben bröckelnden Umsätzen setzt den Gesellschaften der Ölpreis zu. Seit Jahresanfang ist er deutlich gestiegen und hat das Flugbenzin verteuert.

Das Management von Air Berlin hat in der Krise gegengesteuert. Im Sommerflugplan wurden unrentable Ferienstrecken, vor allem nach Übersee, gestrichen. Gegen die steigenden Ölpreise ist das Unternehmen dank sogenannter Terminkontrakte bis in den Juni nächsten Jahres hinein gut abgesichert. „Was wir im Durchschnitt für Kerosin zahlen, liegt deutlich unter den derzeitigen Marktpreisen“, sagte ein Sprecher der Fluglinie. Zahlte Air Berlin im ersten Halbjahr 2008 noch 372 Mio. Euro für Flugbenzin, waren es in den ersten sechs Monaten diesen Jahres 366 Mio. Euro.

Das Geschäft von Air Berlin ruht auf zwei Säulen. Zum einen buchen Reiseveranstalter Kontingente in den Fliegern, zum anderen existiert ein regulärer Linienbetrieb. Während das Geschäft mit Ferienflügen schwächelt, steigen immer mehr Geschäftsreisende im Linienverkehr zu. Nach Unternehmensangaben verdoppelte sich innerhalb eines Jahres die Zahl der Geschäftsreiseverträge mit Firmen von 450 auf rund 900. „Im innerdeutschen Markt für Geschäftsreisen haben wir mittlerweile einen Marktanteil von 35 Prozent“, sagte der Sprecher. Damit ist Air Berlin der Lufthansa näher gekommen. Deren Marktanteil liegt nach Schätzungen bei rund 55 Prozent.

Trotz der Erfolge bei den Geschäftsreisenden ging der Umsatz von Air Berlin im zweiten Quartal um 3,8 Prozent auf 836,2 Mio. Euro zurück. Wegen des ausgedünnten Streckenangebots flogen insgesamt weniger Fluggäste. Ihre Zahl verringerte sich um 5,5 Prozent auf 7,245 Millionen.

Konzernchef Joachim Hunold zeigte sich dennoch zufrieden mit dem Geschäft im ersten Halbjahr 2009. In den vergangenen Wochen hat Air Berlin zudem seine finanzielle Situation verbessert. Durch eine Kapitalerhöhung und die Ausgabe einer Wandelanleihe konnte die Verschuldung auf unter 600 Mio. Euro gesenkt werden.

In den nächsten Monaten könnte Air Berlin weitere Flugverbindungen kappen, sollten die Reiseveranstalter zögerlich sein. Das dürfte vor allem Langstreckenverbindungen betreffen. Zudem werden auch Flugzeugbestellungen geprüft. Das Unternehmen hat bei Boeing 25 Jets vom Typ Dreamliner geordert. Der Flugzeugbauer musste den Auslieferungstermin mehrmals verschieben. Air Berlin kann mit dem ersten Dreamliner frühestens 2013 rechnen. Das ganze Paket wolle man sich noch einmal genau anschauen, hieß es.

Misslungen ist Air Berlin bislang die Integration des vor zwei Jahren übernommenen Düsseldorfer Ferienfliegers LTU. Für dessen Piloten fordert die Gewerkschaft Cockpit eine deutliche Gehaltserhöhung, was das Unternehmen ablehnt. Konzernchef Joachim Hunold rückt deswegen auch von der Idee eines gemeinsamen Flugbetriebs ab. Die Integration, so die Sprachregelung bei Air Berlin, liege derzeit auf Eis. „Die Integration darf nicht teurer werden als die Synergieeffekte“, sagte Hunold.