Die schlechten Meldungen überwiegen: Die Exporte brechen um über 21 Prozent ein, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) korrigiert seine Wachstumsprognose für 2009 auf minus 6,4 Prozent herunter – das Ifo-Institut auf 6,3 Prozent -, und der Internationale Währungsfonds liefert einen düsteren Ausblick auf die kommenden Jahre: Selbst wenn die Wirtschaft wieder anziehe, werde die Arbeitslosigkeit weltweit erst einmal steigen.

All dies steht in krassem Widerspruch zur gestiegenen Kauflust der Deutschen. Der Konsumklimaindex der Nürnberger Gesellschaft für Konjunkturforschung (GfK) kletterte auf 2,9 Punkte – und damit auf den höchsten Stand seit einem Jahr. Die sonst eher zur Sparsamkeit neigenden Deutschen planen demnach, ausgerechnet mitten in der Krise mehr Geld auszugeben.

Die stabilen Preise scheinen dabei die Ausgabelust der Konsumenten zu beflügeln. Nachdem im vergangenen Jahr die Preise stark gestiegen waren, können die Verbraucher die Gunst der Stunde nutzen. Es ist anzunehmen, dass die Kunden dank der Rabattaktionen des Einzelhandels beim Einkauf stärker zugreifen. Hinzukommen dürfte, dass bei den Privatleuten Geld lockerer sitzt, das sie zurzeit aus Angst vor Kursverlusten nicht in Anlageformen der Finanzmärkte investieren.

Die gestiegene Kauflaune verhindert so die gefürchtete Deflationsspirale, in der sich sinkende Preise und nachlassende Nachfrage immer weiter verstärken, so dass es den Unternehmen noch schlechter geht. Diese Gefahr nehmen Wissenschaftler durchaus ernst.

Der Konsum ist derzeit also die große Stütze der deutschen Wirtschaft. Doch seine wahre Bewährungsprobe steht im Herbst 2009 bevor: Die Finanzkrise ist auf dem Arbeitsmarkt dank der staatlich geförderten Kurzarbeit nicht angekommen; die große Entlassungswelle auf dem Arbeitsmarkt steht noch aus. Auch die Löhne werden aufgrund der Rezession erst einmal nicht steigen können, laut Statistischem Bundesamt sind sie bereits in den ersten drei Monaten 2009 gegenüber 2008 um 0,4 Prozent gesunken.

Deshalb bleibt nur zu hoffen, dass die Verbraucher auch ab Herbst – natürlich mit Augenmaß – ihr Geld weiter ausgeben und sich dann nicht völlig zurückhalten. So könnte der Konsum die mangelnde Nachfrage aus dem Ausland ausgleichen helfen, bis diese wieder anspringt. Erste Hoffnungsschimmer gibt es laut dem RWI dafür bereits. 2010 soll der für die deutsche Wirtschaft so wichtige Außenhandel wieder leicht ins Plus drehen.