Jetzt ist die Warenhauskette Woolworth zahlungsunfähig. Die Unternehmensführung hat beim Amtsgericht Frankfurt am Main Insolvenzantrag gestellt. Der Kette ist das Geld ausgegangen. Seit Jahren schon gilt die Kette als gefährdet. Ende 2008 hatte bereits die britische Woolworth Insolvenz anmelden müssen. Beide Firmen haben nichts miteinander zu tun.
Vor wenigen Tagen erst war Deutschland-Geschäftsführer Stefan Rohrer ausgeschieden – nach gerade einmal drei Wochen im Amt. Er konnte sich offenbar mit den Zahlen nicht anfreunden, die die Eigentümer der Billigwarenhauskette ihm vorgelegt hatten – sie erschienen ihm dem Vernehmen nach zu positiv. Vor allem die Liquiditätslage war offenbar deutlich schlechter als dargestellt. Spätestens nach diesem Rücktritt hatten hatte viele Beobachter eine Insolvenz von Woolworth erwartet.
Woolworth Deutschland in Frankfurt, das dem britischen Finanzinvestor Argyll Partners gehört, betreibt 311 Filialen in Deutschland und zwölf in Österreich und beschäftigt 11.000 Mitarbeiter. Die österreichischen Läden sind nicht von der Insolvenz betroffen.
Ein Firmenkenner bestätigte Morgenpost Online, dass der Jahresumsatz von einstmals 950 Millionen Euro zuletzt auf unter 800 Millionen Euro gesunken ist. Die Verluste hätten bei 30 Millionen Euro pro Jahr gelegen.
Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Frankfurter Rechtsanwalt Ottmar Hermann. Er hatte bereits das Mandat für den insolventen Automobilhersteller Karmann bekommen. Hermann ist auch Insolvenzverwalter bei der Luxusmarken-Gruppe Egana Goldpfeil, zu der der Uhrenhersteller Junghans und die Schuhkette Salamander gehörten. Zu dem spektakulärsten Hermann-Verfahren gehörte die Insolvenz des Baukonzerns Philipp Holzmann.
Allerdings braucht der Insolvenzverwalter möglicherweise einen neuen Investor. Beim bisherigen Eigentümer Argyll Partners gibt es bereits Auflösungserscheinungen: Die Webseite des Unternehmens ist bereits nicht mehr zu erreichen. „New Website coming soon“ – mehr steht derzeit nicht drauf auf der Seite des Woolworth-Eigentümers.
An den Verhandlungen der vergangenen Wochen über die Zukunft von Woolworth war der US-Investor Cerberus maßgeblich beteiligt. Ihm gehören rund 100 Woolworth-Filialen, er ist der größte Vermieter der Kette. Nach Informationen aus der Branche liegen Cerberus bereits Anfragen anderer Handelsketten vor, die an den Ladenlokalen interessiert sind.
Beobachter schließen allerdings auch nicht aus, dass Cerberus zu Verhandlungen über die Miethöhe mit dem Insolvenzverwalter bereit ist. Bei einer Insolvenz hat der Mieter ein außerordentliches Kündigungsrecht – der Vermieter allerdings hat es nicht, er darf nicht einfach neu vermieten.
Mit der Woolworth-Insolvenz wird die Pleitenliste im deutschen Einzelhandel immer länger. Nach Wehmeyer, SinnLeffers und Hertie im vergangenen Jahr mussten zuletzt auch die Textilketten Adessa und Pohland zum Insolvenzrichter.
Die Gespräche über eine Rettung der verbliebenen 54 Filialen von Hertie gehen unterdessen in die entscheidende Phase. Hertie steht auch ein Dreivierteljahr nach dem Insolvenzantrag noch immer ohne Investor da. Die Verhandlungen wurden auch über die Ostertage geführt. Die Zukunft „klärt sich in den nächsten Tagen“, sagte ein Sprecher des dortigen Insolvenzverwalters Biner Bähr auf Anfrage. Man arbeite an einer Lösung, „der alle Beteiligten zustimmen können“. Mehrfach schon hatte Bähr einen Termin für eine Lösung in Aussicht gestellt, ihn dann aber verschieben müssen. In der Branche heißt es, der Eigentümer der Immobilien, die selber angeschlagenen britische Dawnay Day, habe längst neue Mieter-Kandidaten für die Häuser, die solventer und zahlungskräftiger erschienen als Hertie. Zudem hatten die Briten angekündigt, Hertie-Häuser zu verkaufen.
mit dpa/Reuters





