Der amerikanische Hypothekenfinanzierer Fannie Mae braucht erneut eine umfangreiche Milliardenhilfe vom Staat. Zwischen April und Juni erlitt die Bank einen Verlust in Höhe von 14,8 Mrd. Dollar (10,3 Mrd. Euro). Das ist deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum, als das Institut ein Minus von 2,3 Mrd. Dollar meldete. Beim Finanzministerium hat Fannie Mae nun bereits zum dritten Mal finanzielle Unterstützung von diesmal 10,7 Mrd. Dollar beantragt. Damit summiert sich die Hilfe aus Washington auf 45 Mrd. Dollar.
Dass sich die Lage für Fannie Mae demnächst verbessert ist nicht zu erwarten. Das Institut selbst rechnet nach eigenen Anagaben „auf absehbare Zeit nicht wieder mit schwarzen Zahlen.“ Zwar schrumpft die US-Wirtschaft nicht mehr so schnell wie zum Jahresanfang, doch auf dem Arbeitsmarkt ist davon noch nichts zu spüren. Da immer mehr Amerikaner ihren Jobs verlieren kommen sie zwangsläufig auch mit der Zahlung ihrer Hypotheken in Verzug oder können sie gar nicht mehr bedienen. Dies verschaffte Fannie Mae den achten Quartalsverlust in Folge.
Insgesamt hat das Institut seit Ausbruch der Krise bereits mehr als 100 Mrd. Dollar Verlust ge-macht. Dass die Zahlen nun etwas weniger schlecht ausfielen als in den ersten drei Monaten des Jahres liegt nach Angaben des Instituts vor allem an geänderten Bilanzierungsregeln. Im ersten Quartal hatte Fannie Mae ein Minus von 23 Mrd. Dollar erwirtschaftet.
Auch das etwas kleinere Schwesterinstitut Freddie Mac dürfte nach Einschätzung von Analysten in den kommenden Tagen ein Minus für das zweite Quartal verkünden. Die Bank hat bereits 50,7 Mrd. Dollar aus Washington erhalten. Beide Institute stehen seit September vergangenen Jahres unter staatlicher Aufsicht. Die Regierung hat ihnen für den Notfall insgesamt 400 Mrd. Dollar an Hilfen in Aussicht gestellt.
Fannie Mae und Freddie Mac haben eine zentrale Rolle am amerikanischen Häusermarkt inne, da sie zusammen etwa jeden zweiten Immobilienkredit in den USA finanzieren.Während die Rezession bislang vor allem finanziell ohnehin schwachen Kreditnehmern zugesetzt hat, sind nun zunehmend auch ursprünglich solide Bankkunden betroffen. Sie geraten immer häufiger mit der Zahlung ihrer Hypothekenzinsen in Verzug.
Über das weitere Schicksal von Fannie Mae und Freddie Mac will die Regierung von Präsident Barack Obama Anfang kommenden Jahres entscheiden. Bislang scheint alles offen. In amerikani-schen Medien wird von der völligen Zerschlagung bis hin zur dauerhaften Verstaatlichung alles in Erwägung gezogen.
Reuters/dpa/PHJ





