Namensgleichheit

Schon der Namen Putin öffnet in Russland die Türen

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Eduard Steiner

Foto: AFP

In Russland lohnt es sich durchaus, so zu heißen wie der Premierminister. Allein der Name verschafft Respekt.

Nomen est omen, bekanntlich. Und auch in Russland können Namen ihre Träger mit besonderen Vorteilen ausstatten oder gar die Umgebung erzittern lassen. So beim Familiennamen Putin. Die Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ hörte sich unter den Namensvettern des russischen Premierministers Wladimir Putin um und fand heraus: Allein die Assoziation mit bringt wirtschaftliche Vorteile.

Ein wirkliches Verwandtschaftsverhältnis mit dem obersten Strippenzieher des Landes ist dabei nicht ausschlaggebend. Wie Beispiele zeigen, reicht es offenbar aus, den Anschein gemeinsamer Vorfahren zu erwecken, um einen Startvorteil auf dem Markt zu genießen – und sogar Größen wie den russischen Gas-Monopolisten Gazprom zu täuschen.

So etwa im Fall des Brüderpaars Igor und Oleg Putin. Die Kleinunternehmer aus der russischen Provinzstadt Kurgan waren dabei, als die ungarische Zwischenhandelsfirma Emfesz, die einem ukrainischen Gazprom-Partner gehörte, den Besitzer wechselte. Die beiden behaupteten, ihre eigenen und des Premierministers Vorfahren stammten aus demselben Dorf. Die Verwandtschaft bestätigte sich nicht. Dennoch verzichtete Gazprom auf eine Klage – obwohl der Konzern in der Emfesz-Geschichte Hunderte Millionen Dollar verlor.

Die Firma „Energija“ dagegen gehört tatsächlich einem Cousin des Premiers: Igor Putin. Dass die Leute darauf reagieren, wird nicht geleugnet. „Wegen der Verwandtschaft kommen viele Bitten und Angebote für gemeinsame Geschäfte“, sagen die Kollegen. Igor aber schlage die Angebote gewöhnlich aus.

Das tat ein anderer Unternehmer namens Sergej Putin offenbar nicht. Er behauptet zwar nicht, mit Premier Putin verwandt zu sein – gibt aber offen zu, dass ihm sein Familienname durchaus Vorteile bringe. „Die Leute reagieren positiv darauf, behalten dich schnell in Erinnerung“, berichtet er.

In jüngster Zeit geht das Interesse an dem Namen etwas zurück, vielleicht, weil sich neben Putin auch sein politischer Ziehsohn Dmitri Medwedjew langsam etabliert. Doch weil nach wie vor jedes Wort Putins einem Befehl gleichkommt, löst allein der Name einen Reflex der Gehorsamkeit aus. Nur rund 2000 Menschen heißen in Russland „Putin“. Vor allem in der Provinz bringe der Name Vorteile, sagt Igor Nikolajev von der Consulting-Agentur FBK. Die Beamten dort fürchteten die Überprüfung eines Verwandtschaftsverhältnisses.