Die deutsche Eisen- und Stahlproduktion ist in den vergangenen Monaten beispiellos eingebrochen. Im März wurden 2,1 Millionen Tonnen Rohstahl hergestellt, ein Minus von 49,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.
Zugleich wurden 1,3 Millionen Tonnen Roheisen produziert, 50,3 Prozent weniger als im März 2008. Für beide Produkte ist dies das größte Minus seit der Wiedervereinigung.
Die alten Bundesländer allein verzeichneten bei der Rohstahlproduktion ein Minus von 50,5 Prozent, das ist der stärkste Einbruch, der dort jemals gemessen wurde.
Im ersten Quartal 2009 wurden bundesweit 4,5 Millionen Tonnen Roheisen hergestellt, ein Minus von 40,6 Prozent. Zugleich wurden 7,3 Millionen Tonnen Rohstahl produziert, was einem Rückgang von 39,4 Prozent entspricht.
Trotz des Nachfrage-Einbruchs will der Stahl- und Röhrenhersteller Salzgitter einem Pressebericht zufolge auf Kündigungen verzichten. Der Vorstand habe einer entsprechenden Forderung von Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall zugestimmt, berichtete das „Handelsblatt“ unter Berufung auf einen Brief der Konzernführung an die Mitarbeiter.
Salzgitter-Chef Wolfgang Leese vermeide mit der Einigung einen Konflikt mit dem Betriebsrat. Abgeschreckt haben dürften ihn auch die Proteste bei Thyssen-Krupp.
Gegen einen Stellenabbau beim Stahl- und Technologiekonzern hatten zuvor in Duisburg mehrere Tausend Beschäftigte demonstriert. Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich 14.000 Mitarbeiter aus ganz Deutschland an einer Kundgebung, darunter auch 500 Werftarbeiter der Emder Nordseewerke. Die Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten auf 10.000.
Beim geplanten Konzernumbau dürfen die Beschäftigten nicht auf der Strecke bleiben“, sagte IG Metall-Vorstandsmitglied Bertin Eichler. „Wir werden keine betriebsbedingten Kündigungen akzeptieren. Die Beschäftigten werden nicht die Zeche zahlen für die Managementfehler der vergangenen Zeit“, sagte Eichler, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Holding ist.
Der Aufsichtsrat hatte vorletzte Woche angesichts der Wirtschaftskrise grünes Licht für den tiefgreifendsten Konzernumbau beim Stahlriesen seit der Fusion vor zehn Jahren gegeben. ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz schloss dabei betriebsbedingte Kündigungen nicht aus.
Der saarländische Stahlkocher Dillinger Hütte hat Kurzarbeit wegen der Nachfragekrise im Stahlsektor nicht ausgeschlossen. Das Unternehmen verbuchte im vergangenen Jahr erneut einen Rekordumsatz und sieht sich für die Wirtschaftskrise gut gerüstet. Allerdings sei ein Ausblick für die Geschäfte in diesem Jahr schwierig. Auch Kurzarbeit könne angesichts des „schwierigen Marktumfeldes“ nicht ausgeschlossen werden, sagte Vorstandschef Paul Belche.
AFP/dpa/oht

