Im Ringen um die Zukunft von Karstadt hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi den Weg frei gemacht für den Sanierungsplan von Investor Nicolas Berggruen. Die Arbeitnehmervertreter stimmten einer Anpassung das Tarifvertrags für die Sanierung der insolventen Warenhauskette zu, wie Verdi am Freitag mitteilte. Demnach bleibt der Sanierungstarifvertrag mit Einsparungen beim Personal von 150 Millionen Euro bis Ende 2012 gültig, auch wenn Berggruen das Traditionsunternehmen künftig in vier Teilgesellschaften gliedert. Bedingung hierfür sei jedoch, dass Berggruen Karstadt „als Unternehmensgruppe und wirtschaftliche Einheit“ erhält.
Karstadt soll nach dem Willen des US-deutschen Investors künftig aus einer Dachgesellschaft sowie drei weiteren Untergesellschaften bestehen: den normalen Kaufhäusern, den Luxus-Kaufhäusern wie das KaDeWe in Berlin und den Sportfilialen. Der Sanierungstarifvertrag hatte die Zugeständnisse bisher vom Erhalt des Unternehmens an einem Stück abhängig gemacht. Nun gelten die Vereinbarungen auch bei einer internen Aufgliederung. Die Beschäftigten hatten sich zu Einsparungen beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld bereit erklärt sowie teils bei der betrieblichen Altersvorsorge.
Rettung ist nur nach Einigung mit Highstreet möglich
Berggruen hatte Anfang Juni den Zuschlag als Käufer für Karstadt erhalten. Einer Rettung des Traditionsunternehmens steht aber noch eine abschließende Einigung mit dem Vermieterkonsortium Highstreet im Wege, dem 86 der deutschlandweit 120 Karstadt-Filialen gehören. Dabei geht es um die Höhe der Mieten für die Kaufhäuser. Highstreet hat für den 28. Juli zu einer außerordentlichen Versammlung des Konsortiums in London eingeladen, bei der abschließend über die Forderungen Berggruens abgestimmt werden soll.
Berggruen forderte unterdessen erneut von Seiten der Politik Vermittlung bei den ins Stocken geratenen Verhandlungen mit Highstreet. „Ich frage überhaupt nicht nach Geld. Wir brauchen kein Geld“, sagte Berggruen. Jedoch hätten die Politiker eine Verpflichtung „gegenüber dem Land und der Wirtschaft“. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) engagiere sich bereits, sagte Berggruen. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hatte eine aktive Vermittlerrolle jedoch vor einigen Tagen abgelehnt.
In den Verhandlungen lägen Berggruen und Highstreet nicht mehr weit auseinander, sagte der US-deutsche Investor: „Wir haben am 23. Juni einen Kompromiss geschlossen und in den Eckpunkten Einigung erzielt. Aber es gibt immer noch technische Probleme“, sagte Berggruen, ohne Details zu nennen. Derzeit fänden separate Gespräche mit der Valovis Bank statt. Die Bank muss als Gläubiger hinter einem Highstreet-Portfolio den Zugeständnissen des Vermieterkonsortiums gegenüber Berggruen zustimmen.
Auf die Frage, wann die Zeit für eine abschließende Einigung zur Rettung Karstadts endgültig ablaufe, sagte Berggruen: „Ende Juli. Danach ist Schluss.“ Dafür gebe es juristische Gründe, die nicht in seiner Macht lägen. Was dann folge, sei die „Liquidation“, sagte der Investor.
dpa/Sp





