In Großbritannien macht Premier Gordon Brown die Betrugsvorwürfe gegen die US-Bank Goldman Sachs sogleich zum Wahlkampfthema. Die Bank sei „moralisch bankrott“ und dürfe in Anbetracht der Betrugsvorwürfe keine Milliarden-Boni auszahlen, sagte Brown. Sollten sich die Verdächtigungen der SEC bestätigen, werde er Bonusauszahlungen der Bank in Großbritannien persönlich verhindern.
Auch die britische Finanzaufsicht hat Ermittlungen gegen Goldman aufgenommen und arbeitet eng mit der SEC zusammen. Ein Sprecher der Londoner Behörde sagte: „Die FSA untersucht die Umstände dieses Falles und die möglichen Folgen für die britische Regulierung von Goldman Sachs.“
Gegen Goldman Sachs hat die US-Finanzaufsicht SEC wegen eines verbrieften Hypothekenkredits (CDO) geklagt. Über dieses Finanzgeschäft mit faulen Krediten soll die Bank, so die SEC, den Investoren falsche Informationen an die Hand gegeben haben.
Zu den Abnehmern des komplizierten Finanzprodukts gehörte neben der mit Staatsgeld gestützten deutschen Mittelstandsbank IKB auch die niederländische ABN Amro, die später teilweise von der britischen Royal Bank of Scotland übernommen wurde.
Der CDO hatte demnach ein Volumen von zwei Milliarden Dollar. Der für das Geschäft zuständige Manager, Fabrice Tourre, habe eine kleine Auszeit genommen, bleibe aber weiter auf der Gehaltsliste und sei nicht suspendiert, teilte Goldman Sachs mit. Das Institut hat alle Vorwürfe zurückgewiesen.
Die Käufer des Kreditbriefs hätten darüber informiert werden müssen, dass der Milliardär John Paulson mit dem Hedgefonds Paulson & Co die Derivate mit auswählte und zugleich auf einen Zusammenbruch des US-Häusermarkts wettete. Laut Klageschrift haben Investoren mehr als eine Milliarde Dollar verloren, als die Immobilienblase in den USA platzte. Allein bei Rhineland Funding waren es rund 150 Millionen.
Der britische Premier Brown nutzte die Aufregung um die US-Bank, um erneut für eine internationale Regulierung der Banken zu werben. Er selbst, so gab Brown zu, habe als früherer Schatzkanzler „nicht gewusst, was bei den Banken vorgeht.“
Deswegen sei es umso wichtiger, die Regeln so zu ändern, „dass wir in der Zukunft immer wissen, was dort passiert.“ Einen britischen Alleingang dürfe es aber nicht geben, da das die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes London gefährde. „Ich will eine globale Finanzabgabe.“
Er habe darüber bereits mit internationalen Kollegen wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Barack Obama und dem französischen Staatschef Nicholas Sarkozy gesprochen. „Wir sind uns da alle einig“, sagte Brown.
In Deutschland hatte das Finanzministerium die Finanzaufsicht BaFin angewiesen, mit der SEC in Kontakt zu treten. Dann wolle das Ministerium über Schadenersatzklagen entscheiden, sagte eine Sprecherin. Politiker der Regierungskoalition aus Union und FDP fordern einen Stopp für neue Aufträge des Bundes an die US-Bank.
„Wir sollten die Ermittlungen der US-Börsenaufsicht mit Argusaugen verfolgen und die Zusammenarbeit mit Goldman Sachs solange auf Eis legen“, sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt dem „Handelsblatt“. Wenn sich die Vorwürfe tatsächlich bestätigten, gehörten die Geschäftsbeziehungen mit Goldman Sachs auf den Prüfstand. „Bei einer Bank, die bei der Emission von Staatsanleihen mitarbeitet, darf es keine Zweifel an der Lauterkeit geben“, sagte der CSU-Generalsekretär.
Der Obmann der FDP-Bundestagsfraktion im Finanzausschuss, Frank Schäffler, plädierte für Distanz zu Goldman Sachs. „Wir sollten die Geschäftsbeziehungen mit der US-Bank erst einmal ruhen lassen, bis die Vorwürfe eindeutig geklärt sind“, sagte Schäffler.
Zuvor hatte die IKB bestätigt, dass die Mittelstandsbank die Möglichkeit einer Klage gegen den US-Investmentriesen prüft. Die IKB hatte mit riskanten US-Papieren Geld verloren und musste 2007 vom Staat gerettet werden. Vertreter der Bundesregierung sprachen sich für Schadenersatzklagen gegen Banken aus, die den Niedergang der IKB beschleunigt hatten.
tik/dpa/Reuters/oht




