Das kuriose Bieterrennen um die insolvente Handelskette Woolworth und ihre 4500 Jobs hat ein Ende: In der Nacht zum Freitag unterzeichnete Insolvenzverwalter Ottmar Hermann den Kaufvertrag mit der Heinig Holding (HH) aus Bönen bei Dortmund. Am Montag muss noch der Gläubigerausschuss dem Verkauf der 162 Filialen zustimmen, anschließend ist das Bundeskartellamt gefragt. Woolworth hatte vor einen Jahr wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet.
Zum mutmaßlich neuen Eigentümer HH gehören die Billig-Textilkette KiK und der Ein-Euro-Shop TeDi. Neben KiK-Chef Stefan Heinig ist die Mülheimer Tengelmann-Gruppe an HH beteiligt. Woolworth-Hauptvermieter Cerberus, dem die Hälfte der 162 Filialen gehört, favorisierte von vier im Rennen befindlichen Bietern HH. Ohne den US-Finanzinvestor geht nichts bei der Verkaufsentscheidung.
Nach den Informationen von Morgenpost Online will HH alle Filialen mit den 4500 Mitarbeitern übernehmen und deren Gehälter unverändert lassen. Die Arbeitsverträge sollen aber auf ein Jahr begrenzt werden. Dagegen protestiert die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di. „Es ist zwar schön, dass die Mitarbeiter von Woolworth wieder eine Perspektive bekommen. Aber es muss eine unbefristete Perspektive sein und keine, die auf ein Jahr begrenzt ist“, sagte Ver.di-Sprecherin Cornelia Hass.
Die Gewerkschaft prangerte bei KiK schon mehrfach die niedrige Bezahlung von Mitarbeiterinnen an. Die von HH beabsichtigte Befristung der Job-Garantie auf zwölf Monate stand allerdings auch in den Konzepten der übrigen Anbieter. Die Zukunft der rund 200 Jobs in der Frankfurter Unternehmenszentrale ist noch offen. HH will Woolworth als Discount-Kaufhaus in der Innenstadt weiterführen und ausbauen. „Es geht HH nicht nur um die Standorte, es geht dem Investor um Woolworth. Die Kette verdient wieder Geld“, sagte ein Hermann-Sprecher.
Woolworth hatte im April 2009 nach vielen Krisenjahren Insolvenz angemeldet. Damals betrieb die Kette noch über 300 Geschäfte und beschäftigte 9000 Mitarbeiter. Hermann halbierte das Unternehmen, um die Verkaufs- und Überlebenschancen zu steigern. Erst in den vergangenen Tagen hatte das Verkaufsverfahren seltsame Wendungen genommen: Hermann hatte Hauptvermieter Cerberus – er gibt faktisch den Ausschlag bei der Wahl des Käufers – nach eigenen Angaben drei verschiedene Kaufangebote vorgelegt.
Neben dem US-Finanzinvestor Gordon Brothers hatte nach Informationen von Morgenpost Online auch die im vergangenen Jahr gegründete Deutsche Unternehmensbeteiligungen AG (Dubag) aus München geboten. Nach allen Konzepten sollte die Kette als Discount-Warenhaus in der City fortgeführt werden, auch Neueröffnungen wurden in Aussicht gestellt.
Zur Überraschung der Fachwelt jedoch lehnte Cerberus Ende vergangener Woche alle Angebote ab und ging auf die Heinig Holding zu. Sie hatte bereits zuvor ein Angebot beim Insolvenzverwalter eingereicht, das der jedoch aus „juristischen und wirtschaftlichen Gründen“ verwarf. Die daraufhin überarbeitete HH-Offerte fand dann wohl das Gefallen von Cerberus. Über die Gründe ist nichts bekannt.
Dabei hatten sowohl Gorden als auch die Münchener Bieter noch einmal nachgelegt. „Wir hätten auch ein Woolworth light mit den 80 Filialen akzeptiert, bei denen Cerberus nicht der Vermieter ist“, sagte Dubag-Gründer Michael Schumann Morgenpost Online. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Zuletzt wurden Summen zwischen 20 und 35 Millionen Euro kolportiert.





