In keinem Land der Welt gehen die Menschen so oft zum Arzt wie in Deutschland. Die Zahl der Arztbesuche stieg 2008 pro Versicherten von 17,7 auf 18,1, berichtete die Krankenkasse Barmer GEK in Berlin.

Auf jeden Arzt kamen damit 10.735 Patientenkontakte im Jahr oder 45 Patienten pro Werktag. „Die Behandlungsfrequenz deutscher Ärzte ist im internationalen Vergleich etwas doppelt so hoch“, stellt Deutschlands größte Krankenkasse in ihrem Arztreport fest.

Lediglich die Japaner kommen mit 13,6 Arztkontakten im Jahr in die Nähe der deutschen Größenordnung. Zum Vergleich: Die Schweden gehen dreimal im Jahr zum Arzt, die US-Amerikaner viermal.

Für den einzelnen Patienten bleibt dabei in Deutschland immer weniger Zeit: Der Besuch dauert im Schnitt acht Minuten. Die Praxisgebühr, die zwei Milliarden Euro für das Gesundheitswesen im Jahr bringt, zeigt offenbar keine abschreckende Wirkung.

„Die Wirkung der Praxisgebühr ist fraglich“, sagte Barmer-Vizechef Rolf-Ulrich Schlenker. Die grundsätzlich sinnvolle hausarztzentrierte Versorgung stecke in einer Sackgasse.

Ein Teil der für 2008 hochgerechneten rund 1,5 Milliarden Arztbesuche bei den rund 140.000 niedergelassenen Medizinern lasse „auf Drehtüreffekte und Doppeluntersuchungen“ schließen, erklärte Schlenker. Die ambulante medizinische Versorgung müsse neu ausgerichtet werden.

Der Barmer-GEK-Chef plädierte für eine engere Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Krankenhäusern.

Die Barmer GEK hat für den Arztreport die ambulanten Abrechnungsdaten von 1,7 Millionen Versicherten auf die deutsche Bevölkerung hochgerechnet. Demnach gingen 77 Millionen Deutsche oder 92,9 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Jahr zum Arzt.

Frauen suchten dabei 20-mal eine Arztpraxis auf, Männer dagegen keine 15-mal. Die häufigsten Diagnosen – sie betreffen mehr als ein Fünftel der Bevölkerung – sind der Barmer GEK zufolge Rückenschmerzen, Bluthochdruck und Sehstörungen.

Die Krankenkasse hat auch die chronischen Krankheiten näher analysiert, für die über den Risikostrukturausgleich der Kassen Zuschläge aus dem Gesundheitsfonds erhalten. Danach stieg der Anteil der chronisch Kranken 2008 auf 36,5 Prozent. Der Anstieg bewege sich im „allgemeinen Trend“, betonte die Krankenkasse.

Fünf Millionen Deutsche oder 7,1 Prozent aller Versicherten leiden der Barmer GEK zufolge an Diabetes, 4,6 Millionen oder 6,6 Prozent an Depressionen und zwei Millionen Versicherte.