Beruhigung für die Belegschaft: Die Betriebsratsspitze von Siemens ist anhaltenden Spekulationen entgegengetreten, im Konzern stehe ein weiterer groß angelegter Stellenabbau bevor. "Es gibt keine zweite Welle beim Sparprogramm in Vertrieb und Verwaltung", sagte Betriebsratschef Lothar Adler dem Nachrichtenportal Morgenpost Online.
Der Konzern hatte vergangenen Sommer die Streichung von weltweit 17.000 Stellen bis 2010 verkündet, um jährlich 1,2 Mrd. Euro einzusparen. Analysten hatten zuletzt vermutet, dass Siemens aufgrund der Wirtschaftskrise nochmal draufsatteln müsse. Das bestreiten aber die Arbeitnehmervertreter. "Bei den Kosteneinsparungen sind wir im Plan. Von daher gibt es keine Notwendigkeit, dort noch mal nachzulegen", sagte die stellvertretende Betriebsratschefin Birgit Steinborn Morgenpost Online. "Bei Siemens ist kein Stellenabbau geplant, das hat uns der Vorstand zugesagt."
Siemens gerät allerdings immer stärker in den Abwärtsstrudel. "Der rapide Abschwung hat sich verlangsamt, aber wir sind noch nicht ganz unten angekommen", sagte Adler. Mittlerweile hat das Unternehmen rund 20.000 der 130.000 Beschäftigten in Deutschland in Kurzarbeit geschickt. "Die Verlängerung der Kurzarbeit auf 24 Monate hat uns enorm geholfen", sagte Adler. Allerdings stellt sich der Betriebsratschef mittlerweile die Frage, was nach Ablauf der Zeit geschehen soll. "Irgendwann werden wir vor einem Problem stehen, wenn der Abschwung anhält."
Im Herbst wollen die Betriebsräte deshalb mit dem Vorstand um Siemens-Chef Peter Löscher Gespräche führen. Er hatte in der vergangen Woche vor Investoren eingeräumt, dass Siemens weiter unter der Wirtschaftsflaute leide. Eine Wende sei noch nicht auszumachen. Allerdings bekräftigte Löscher ausdrücklich die kürzlich gesenkte Prognose. Siemens soll in diesem Jahr einen operativen Gewinn über dem Vorjahresniveau von 6,6 Mrd. Euro einfahren.
"Eines ist klar: Bei einer solch hervorragenden Gewinnsituation wie bei Siemens kann es nicht um Einschnitte bei der Belegschaft gehen", sagte Adler. Er gebe Alternativen, um sich auf eine möglicherweise länger anhaltende Flaute in den Werken auszugleichen. "Wir müssen über eine Verkürzung der Arbeitszeit oder mehr Altersteilzeit sprechen", forderte Adler.
In den Gesprächen mit Vorstandschef Löscher dürfte noch ein Thema auf der Tagesordnung stehen. Siemens verlagere mehr und mehr Verwaltungsaufgaben in Billiglohnländer, kritisierte Steinborn. "Diesen Trend will die Konzernführung offenbar fortsetzen", fürchtet die stellvertretende Betriebsratschefin. "In der Buchhaltung etwa sollen weitere Arbeitsplätze verlagert werden." Um wie viele Stellen es geht, steht laut Steinborn nicht fest. Sie kündigte aber bereits Widerstand an. "Dagegen kämpfen wir an."
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