Obwohl die Konjunktur wieder anzieht, haben Unternehmen weltweit stark mit den Folgen der Wirtschaftskrise zu kämpfen. Einer Studie der Strategieberatung Roland Berger zufolge bewerten noch immer 40 Prozent der Unternehmen die eigene Liquiditätssituation als kritisch. Und selbst Unternehmen, bei denen die Zeichen bereits wieder auf Wachstum stehen, klagen über mangelnde Manövrierfähigkeit: 28 Prozent bezeichnen unzureichende Finanzierungsmöglichkeiten als stärkste Behinderung für künftiges Wachstum. Die Umfrage, die Roland Berger unter knapp 480 Unternehmen weltweit durchführte, liegt Morgenpost Online exklusiv vor.

Die Ergebnisse belegen, wie nachhaltig die heftigste Krise der Nachkriegsgeschichte die Wirtschaft tatsächlich beschäftigt. Obwohl die Auftragsbücher vieler Unternehmen bereits wieder prall gefüllt sind, ist die Lage bisweilen alles andere als rosig – auch weil Finanzinstitute zurückhaltend bei der Vergabe von Krediten sind. Max Falckenberg, Partner bei Roland Berger und Leiter der Studie, diagnostiziert eine „gewisse Vergangenheitsorientierung“ bei vielen Banken und Warenkreditversicherern, die ihre Konditionen oftmals anhand von Bilanzen des Vorjahres und damit des Krisenjahres 2009 bestimmten. „Das wird die Finanzsituation in vielen Fällen noch einmal verschärfen“, so der Berater.

Dabei ist die Hoffnung auf nachhaltig bessere Zeiten in der Wirtschaft durchaus vorhanden: Der Umfrage zufolge wurde der Tiefpunkt im weltweiten Durchschnitt bereits um den Jahreswechsel 2009/2010 erreicht; die nächste deutliche Wachstumsphase hingegen wird bereits Mitte dieses Jahres erwartet. Nur jedes vierte Unternehmen geht davon aus, dass der nächste spürbare Wachstumsschub erst nach Ablauf des Jahres kommt. Grund zur Entwarnung ist das aber nicht. „Die Zeichen stehen zwar auf Erholung“, sagt Jakob Rüden, Roland-Berger-Berater und Co-Autor der Studie. „Aber – gerade auch mit Blick auf die Eurokrise – verspüren Unternehmen weltweit noch immer eine große Unsicherheit.“

Kein Risiko eingehen

Entsprechend gering ausgeprägt ist offenbar der Willen mancher Wirtschaftslenker, in den kommenden Monaten operative Risiken einzugehen: Immerhin 29 Prozent der befragten Firmen bezeichnen die mangelnde Risikobereitschaft bei Management und Aktionären als einen der größten Hemmschuhe für künftiges Wachstum.

An der Personalfront indes scheint sich tatsächlich Entspannung abzuzeichnen. Während die Unternehmen weltweit 2009 ihre Personalkosten im Schnitt um neun Prozent reduzierten, geben zumindest US-Firmen an, die Einsparziele grundsätzlich erreicht zu haben.

Dagegen stehen in westeuropäischen Unternehmen zwar noch Kostenanpassungen aus, aber auf niedrigem Niveau: Hatten sich die befragten Firmen im Schnitt Kostensenkungen von zehn Prozent vorgenommen, wurden bereits acht Prozent 2009 auch umgesetzt – so dass nun nur noch geringe Anpassungen nötig sind. „Die Sanierungsbemühungen werden spätestens Ende des Jahres abgeschlossen sein“, sagt daher Roland-Berger-Berater Falckenberg. „Ab 2011 werden wir dann auch wieder einen Trend zu Tariferhöhungen und Neueinstellungen erleben.“