Die Oberen der Dax-Konzerne legten ihr ganzes Gewicht in die Waagschale: „Die neuen Bachelor-Abschlüsse sind uns willkommen!“, tönte das Manifest, das von Größen wie Thomas Sattelberger, Norbert Bensel, Zygmunt Mierdorf und vielen anderen unterzeichnet wurde. Die Personalvorstände von Conti, Bahn, Metro und Lufthansa wie auch ihre Kollegen wollten die Absolventen der neuen Kurzstudiengänge mit offenen Armen empfangen. Auf zwei Seiten Text sandten sie allen Hochschulen ihre Willkommensgrüße.

Heute, vier Jahre später, ist der Geist des Manifests schon in der Praxis angekommen, „Bachelor welcome!“ gehört zum Alltag in den Personalabteilungen. „Die HR-Manager wissen, wie sie mit den Abgängern umzugehen haben“, sagt Norbert Wangnick, Vorstand bei Access, einem Rekrutierungsdienstleister aus Köln.

Mit den neuen Abschlüssen waren seitens der Unternehmen einige Hoffnungen verbunden. „Mehr Praxis, kürzere Studienzeiten, mehr Internationalität“, so die Botschaft von Bensel, Sattelberger und Co.

Das Ziel Nummer zwei, schnelleres Studium, wurde bereits erreicht. „Die Absolventen kommen heute zwei Jahre jünger in den Beruf“, rechnet der Rekrutierer vor: Um je ein Jahr sind Studium und Gymnasium kürzer geworden. Damit ist Deutschland im Begriff, seinen Status als Land mit den ältesten Absolventen zu verlieren.

Doch anfangs waren Vorbehalte gegenüber dem Bachelor verbreitet. „Was sollen wir mit den Absolventen machen, die nach den neuen Bologna-Standards studiert haben?“, so tönte es fast unisono aus den Personalabteilungen. „Die Unsicherheit war groß“, sagt Personalexperte Wangnick. Manche Unternehmen griffen so weit wie möglich auf Diplom-Absolventen zurück, solange diese noch verfügbar waren. Aber bis 2010 sollen, so fordert es das Bologna-Abkommen, alle Studiengänge umgestellt sein.

Inzwischen ist die Aufregung verflogen. „Die Unterschiede zwischen neuem und altem System nivellieren sich langsam“, sagt Karlheinz Schwuchow. Der Professor an der Hochschule Bremen hat als Herausgeber des „Jahrbuch Weiterbildung“ Einblick in die Einstellungspraxis der Unternehmen. Seine Botschaft: „Der befürchtete Schock, dass die Hochschulen halbgare Abgänger in die Praxis entlassen, ist ausgeblieben. Die Vorbehalte haben sich nachhaltig reduziert.“ Begünstigend auf die Chancen von Master- und Bachelor-Absolventen wirkt der Arbeitsmarkt. „Der Wettlauf um Talente ist wieder in vollem Gange“, sagt Joachim Staude, Personalberater und Vize?präsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU).

Freilich müssen sich die Unternehmen auch auf veränderte Bedingungen einstellen. Bachelor-Absolventen haben unter ganz anderen Voraussetzungen studiert als ihre Vorgänger. „In die sechs Semester wird viel Stoff reingepackt“, beschreibt Professor Schwuchow. „Die Studiengänge sind stark verschult“, sagt Rekrutierer Wangnick. Studienbegleitende Aktivitäten, auch Praktika und Auslandsaufenthalte, sind in einem Bachelor-Programm nur schwer unterzubringen. „Die Curricula sind straffer und strukturierter geworden. Das hemmt die Mobilität der Studenten“, sagte Christine Keitel-Kreidt, Vizepräsidentin der FU Berlin, bei der Master-Konferenz ihrer Hochschule.

Dieser Mangel ließe sich heilen. Wer erst den Bachelor macht, anschließend für ein paar Jahre in den Beruf geht und erst dann für ein Master-Studium an die Uni zurückkehrt, hat am Ende alle gesuchten Qualifikationen. „Das wären die idealen Bedingungen für ein Master-Studium“, sagt Personalfachmann Schwuchow.

Aber die Dinge sind nicht so. „Das System hat einen entscheidenden Mangel“, mahnt der Bremer Professor. Nach seiner Erfahrung springen die meisten Bachelor, die sich weiterqualifizieren wollen, sofort in die Master-Studiengänge – ohne die Zwischenetappe in der beruflichen Praxis. Der Grund: „Die konsekutiven Master-Studiengänge sind kostenlos. Für die nichtkonsekutiven müssen Gebühren gezahlt werden“, so Schwuchow. Damit sei der Anreiz klar zugunsten des unterbrechungsfreien Studiums bis zum Master-Abschluss gesetzt.