Die ICE-T-Flotte der Deutschen Bahn ist seit Anfang der Woche wieder komplett im Einsatz, die Paradestrecke Berlin-Hamburg nach 100-tägiger Sperrung wegen Gleisbauarbeiten endlich voll befahrbar – freie Fahrt also für die Kunden der Bahn im Fernverkehr. Doch von Anfang Juli an überzieht der Konzern das Land zusätzlich zu den üblichen Instandhaltungsmaßnahmen bundesweit mit einer Welle neuer Baustellen: Bahnhöfe werden saniert, Strecken ausgebaut. Auch in und um Berlin investiert der Konzern Millionen.
Mit Geld aus den Konjunkturprogrammen des Bundes werden bis Ende 2011 zusätzlich zu den bereits beschlossenen und jährlich laufenden Investitionen 1,3 Mrd. Euro in das System Schiene gepumpt. Zudem sieht ein internes „Wachstumsprogramm“ des Vorstandes in den kommenden vier bis fünf Jahren Investitionen von weiteren 1,8 Mrd. Euro für den Erhalt von Bahnhöfen, Lärmschutzmaßnahmen und Ausbau der Gleise, vor allem der großen Schienenknoten, vor. Über die Finanzierung verhandelt der Konzern derzeit mit der Bundesregierung.
Auf den ersten Blick ist das rund 34.000 Kilometer lange deutsche Schienennetz prima in Schuss. Nach Bahnangaben sind „94,80 Prozent der Trassen in gutem technischen Gesamtzustand“. Nur 0,4 Prozent, also circa 140 Kilometer Gleise, hätten kurzfristigen Instandhaltungsbedarf. Doch langfristig muss sich eine Menge tun: „Der Verkehr auf der Schiene wächst sprunghaft. Der kurzfristige Neubau von Strecken ist illusorisch, daher müssen wir Verkehre verlagern und auf andere Strecken verschieben“, sagt Infrastrukturvorstand Stefan Garber Morgenpost Online. Und dass im ganzen Land Millionen für Lärmschutz und die Sanierung von Bahnhöfen nötig sind, weiß jeder, der Bahn fährt oder an einem Schienenstrang lebt.
Bundesweit fließt eine halbe Millarde ins Schienennetz
Mit den 1,3 Mrd. Euro aus den Konjunkturpaketen I und II sollen nun die dringlichsten Projekte angegangen werden. Rund 300 Mio. Euro sind für den Aus- und Umbau von Bahnhöfen vorgesehen, ebenfalls 300 Mio. für Lärmschutzmaßnahmen. In Berlin will die Bahn zusätzlich zu den für dieses Jahr ohnehin geplanten 70,8 Mio. Euro bis 2011 weitere 33,6 Mio. Euro in die Bahnhöfe investieren. 71 Stationen sollen davon profitieren.
Bundesweit fließt eine halbe Mrd. Euro in das Schienennetz. Im Großraum Berlin soll die Strecke zwischen der Hauptstadt und Cottbus forciert ausgebaut werden. Der Bund investiert ohnehin jedes Jahr 2,5 Mrd. Euro in den Erhalt der Schienenwege, eine halbe Mrd. Euro steuert die Deutsche Bahn selbst bei. Hinzu kommt weiteres Geld für den Ausbau der verschiedenen Trassen. Das aktuelle Ausbau- und Sanierungs-Programm startet am 3. Juli mit den Arbeiten am Bahnhof Rheine (Westfalen) und am 7. Juli mit der Schienenanbindung des im Bau befindlichen Jade-Weser-Hafens in Wilhelmshaven. Die Bahnmanager machen Tempo, denn wegen der Auflagen des Bundes müssen die Mittel aus den Konjunkturprogrammen bis Ende 2011 abgerufen sein, sonst verfallen sie.
Schienenbau-Maßnahmen sind allerdings zeit- und planungsaufwändig, Großprojekte daher im Zuge der bewilligten 1,3 Mrd. Euro praktisch nicht möglich. Weil aber nach Bahn-Prognosen der Verkehr auf den Hauptkorridoren bis 2015 um 20 Prozent und mehr wachsen wird, will die Bahn ein Wachstumsprogramm auflegen.
Dieses sieht vor, die zwölf größten Schienenknoten, die sich bislang als Engpässe erweisen, auszubauen. Zudem sollen zwei neue Hauptkorridore entstehen, die die bisherigen, zentralen Trassen entlasten. Geplant ist ein neuer West-Korridor über die Rhein-Sieg-Verbindungen nach Mainz und Karlsruhe Richtung Basel. Der Ost-Korridor soll über Uelzen-Stendal und Hof–Regensburg verlaufen.





