Führende Ökonomen kritisieren die Ratingagentur Standard & Poor’s heftig für die Abwertung Griechenlands. „Wir sollten das Wohl Europas nicht von den Ratingagenturen abhängig machen“, sagte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger. „Die Ratingagenturen haben von Beginn der Finanzkrise an versagt – warum sollte sich die Europäische Zentralbank (EZB) in dieser kritischen Phase überhaupt noch auf ihr Urteil verlassen?“
Am Dienstag hatte Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit Griechenlands gesenkt und die Schuldenkrise des Landes damit verschärft. Am Mittwoch folgte die Herabstufung von Spanien.
„Wir hängen zu sehr am Tropf der Ratingagenturen“, sagt auch Clemens Fuest, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates des Bundesfinanzministeriums. Die Agenturen würden an den Märkten überbewertet. Auch Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln), schimpft: „Die Ratingagenturen haben wieder einmal geschlafen.“ Hüther hält ihr Agieren für fragwürdig, weil sie wieder sehr spät gehandelt hätten.
In der Finanzkrise hatten Ratingagenturen hochriskanten Wertpapieren Bestnoten gegeben, sie also als sicher eingestuft. „Statt nach und nach Griechenland herabzustufen, haben sie mehrere Schritte auf einmal vollzogen und damit große Nervosität auf den Märkten ausgelöst.“
Die Frage ist nun, was die EZB tut. Sie akzeptiert nur besser bewertete Papiere als Pfand für frisches Geld, griechische würden laut der neuen Bewertung nicht darunter fallen.
„Die EZB sollte sich von dem Urteil der Ratingagenturen frei machen und die Staatsanleihen trotz des Ramsch-Status akzeptieren“, sagte Bofinger. Tue sie das nicht, werde innerhalb kurzer Zeit das griechische Bankensystem zusammenbrechen, mit schwerwiegenden Folgen für deutsche Institute.
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