Der US-Autokonzern General Motors macht den Weg frei für eine Abspaltung seines europäischen Geschäfts. Die europäischen Werke, Patente und der Zugriff auf Technologien seien schuldenfrei auf die Adam Opel GmbH übertragen worden, teilte ein Werkssprecher mit.
Der Aufsichtsrat der GmbH habe in einer außerordentlichen Sitzung zudem dem Treuhand-Modell der Bundesregierung zugestimmt. Damit akzeptiert der Aufsichtsrat für eine Übergangszeit ein übergeordnetes Gremium aus Vertretern der Regierung und dem Eigentümer GM. Mit dem juristischen Schritt ist Opel frei für einen neuen Investor und soll aus der möglichen GM-Insolvenz in den USA herausgehalten werden.
"Alle europäischen Einheiten von GM sind jetzt unter dem Dach von Opel“, sagte der GM-Europe-Sprecher. Dennoch bleibe Opel vorerst zu einhundert Prozent eine GM-Tochter. Nicht übertragen worden seien die Werke des schwedischen Autoherstellers Saab. Ein anderer GM-Europe-Sprecher sagte, durch die Überschreibung der Werke und Patente sei nun "der Weg frei für eine Neuorganisation Opels“.
Derweil bereitet sich die Politik für den Opel-Gipfel im Kanzleramt vor. Finanzminister Peer Steinbrück machte deutlich, dass er für das Angebot der Chinesen kaum Chancen sehe. „Ich glaube, dass das chinesische Angebot so spät gekommen ist, dass gar nicht mehr die Zeit besteht, es einem ähnlichen Abwägungs- und Verhandlungsprozess zu unterziehen wie die anderen drei Angebote“, sagte der Finanzminister. Seitens der Bundesregierung gehe man ohne Präferenz für einen der vier Bieter in das Spitzengespräch am Abend, auf dem wichtige Entscheidungen zur Opel-Zukunft fallen sollen. Es könne aber sein, dass am Ende des Treffens in der Nacht dann doch eine Präferenz der Bundesregierung sichtbar werde, ergänzte der Minister, der an dem Treffen teilnehmen wird.
Anders sieht das Hessens Ministerpräsident Roland Koch. Mit einem klaren Vorzug für den Zulieferer Magna geht er in die Runde. Das Konzept zur Übernahme des Autoherstellers sei überschaubarer und klarer beurteilbar als bei der Konkurrenz, sagte der Ministerpräsident. Fiat sei für die Beteiligten eine „Black Box“, von der niemand genaue Zahlen gesehen habe.
Die einzige bekannte Zahl sei ein negativer Cash-Flow von 3,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ohne nachhaltige Änderung würde sämtliche staatliche Hilfe für Opel innerhalb von zwei Jahren allein bei Fiat verschwinden. Er sei sehr dafür, dass kein europäisches Geld in die USA gehe, sagte Koch. „Ich will auch, dass kein Cent deutsches Geld nach Italien fließt.“
Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg stellte für das Gipfeltreffen eine Einigung auf die sogenannte Treuhandlösung für Opel und für den damit verbundenen Überbrückungskredit in Aussicht. Hier sei die Regierung zuversichtlich, auch wenn es noch Probleme mit der US-Seite gebe. Kontakte mit dem chinesischen Opel-Interessenten habe es gegeben, der aber „kein ausformuliertes, elaboriertes Konzept„ vorgelegt habe. Das heiße aber nicht, dass diese Vorstellungen nicht in den nächsten Woche noch eine Rolle spielen könnten.
Für zehntausende Gläubiger der Opel-Mutter General Motors ist in der Nacht zum Mittwoch die Entscheidungsfrist für einen teilweisen Schuldenverzicht abgelaufen. Die Mehrheit der Gläubiger lehnte diese Möglichkeit ab. Für sie sei der Plan untragbar, die Schulden in Anteile an einer neuen General Motors umzuwandeln, erklärte ein Sprecher der Main Street Bondholders. GM steht bei ihnen mit rund 27 Milliarden Dollar in der Kreide und bietet im Tausch zehn Prozent am Konzern.
Die Umschuldung galt als die letzte Chance für die Opel-Mutter, eine Insolvenz zu umgehen. Bei dem in den USA als Gläubigerschutz bezeichneten Verfahren würde der Staat laut Medienberichten 70 Prozent an dem Autokonzern übernehmen und müsste zur Sanierung weitere 50 Milliarden Dollar hineinpumpen. Fast 20 Milliarden Dollar sind bereits an den Mutterkonzern der deutschen Opel geflossen. Für den bereits insolventen GM-Konkurrenten Chrysler könnte der Gläubigerschutz nach einem Bericht des Wirtschaftssenders CNBC dagegen schon kommende Woche enden.
dpa/Reuters/lw





