Fiat denkt über eine Fusion seiner Autosparte mit General Motors Europe nach. Nach einem Treffen des Verwaltungsrats hieß es in einer Erklärung, Fiat Group Automobiles könnte ausgegliedert und mit GM Europe und den Chrysler-Anteilen verschmolzen werden. Anschließend wäre auch ein Börsengang des neuen Auto-Unternehmens denkbar, das auf einen Jahresumsatz von 80 Milliarden Euro kommen dürfte.

Die deutsche GM-Tochter Opel, die in der Erklärung nicht erwähnt wurde, ist für 80 Prozent des Umsatzes von General Motors Europe verantwortlich. Fiat hatte zuvor eine Allianz mit dem US-Konzern Chrysler besiegelt, der am 30. April Gläubigerschutz beantragte.

Der „Financial Times“ sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne, das Ziel sei die Schaffung einer neuen Aktiengesellschaft mit dem Namen Fiat/Opel. Der Konzern soll sechs bis sieben Millionen Autos jährlich herstellen und zur weltweiten Nummer zwei hinter dem japanischen Autobauer Toyota Motor aufsteigen.

„Aus technischer und industrieller Sicht ist das eine im Himmel geschlossene Hochzeit“, sagte Marchionne. Um trotz hoher Entwicklungskosten profitabel arbeiten zu können, müssten Marchionne zufolge auf jeder Plattform mindestens eine Million Autos pro Jahr gebaut werden. Opel, Vauxhall und Saab nutzen bereits gemeinsame Komponenten. Durch einen Austausch mit Fiat und Chrysler würde der Vorteil vergrößert.

Bis Ende Mai, so der Plan Marchionnes, soll die Fusion beschlossen werden. Der bisherige Opel-Mutterkonzern GM würde Minderheitseigner des neuen Unternehmens. Der 30-Prozent-Anteil der Fiat-Gründerfamilie Agnelli würde verwässert.

Nun trifft sich Marchionne mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), um über Opel zu sprechen. In der SPD gibt es laut Medienberichten überwiegend Befürworter eines Einstiegs des Autozulieferers Magna aus Österreich bei Opel. Die Politiker der Union sollen eher dem Zusammenschluss von Fiat mit Opel zuneigen.

Guttenberg warnte davor, sich beim Thema Opel-Rettung vorschnell festzulegen. Er sagte im Deutschlandfunk, er wünsche sich „einen Investor, der für langfristige Sicherung steht und der ein Konzept vorstellt, das sich tatsächlich verwirklichen lässt und nicht nur für einige Monate trägt“.

Marchionne will laut „Süddeutscher Zeitung“ in Berlin ein grobes Konzept vorstellen, wonach alle deutschen Standorte erhalten bleiben, allerdings nicht alle in der bisherigen Größe. Für die Schaffung eines globalen Autokonzerns, der mindestens fünf Millionen Fahrzeuge herstelle, benötige er neben Chrysler noch Opel, hieß es in dem Bericht.

Guttenberg sagte in Erfurt, es müsse ein langfristiges Konzept vorliegen. Zudem stellte er klar, dass auch der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna weiter im Rennen ist. Entscheidend sei, dass sich General Motors mit den Übernahme-Interessenten einige. Er habe das Gefühl, das beide Interessenten alle Standorte sichern wollten. Es sei aber noch zu früh zu sagen, ob Arbeitsplätze abgebaut würden.

SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier hat laut „Spiegel“ einen 14-Punkte-Katalog mit Kriterien für einen Investor erstellt. Im Mittelpunkt müsse „der Erhalt aller Standorte und möglichst vieler Arbeitsplätze in Deutschland“ stehen.

Marchionne will in Deutschland Opel-Betriebsratschef Klaus Franz treffen. Nach dem Zuschlag von Fiat für eine Beteiligung an Chrysler sieht dieser sich mit seinen Bedenken bestätigt. Ein Engagement der Italiener bei Opel wäre nach seinem Eindruck ein „industrielles Sanierungskonzept mit deutschen Steuergeldern“. Zugleich betonte Franz: „Wir stehen Fiat nicht feindlich gegenüber.“

Opel-Aufsichtsratsmitglied Armin Schild von der IG Metall äußerte sich im ZDF-“Morgenmagazin“ erneut skeptisch über einen Einstieg von Fiat. Die Italiener hätten selbst „große Probleme“. Es sei zu befürchten, „dass die Entscheidungen bei Opel nicht mehr in Detroit, sondern in Turin getroffen werden, aber nicht in Rüsselsheim.“ Der Verkauf des Konzerns sollte nicht unter zu großem Zeitdruck geschehen, so Schild.

Auch die deutschen Opel-Händler sehen einen Einstieg der Italiener skeptisch. Der Sprecher des Verbands Deutscher Opel- und Chevrolet-Händler (VDOH), Thomas Bieling, sagte: „Bei Fiat sehen wir kein Konzept.“

Es müsse klar werden, dass der italienische Konzern nicht nur bei Opel einsteigen wolle, um damit leichter an staatliche Bürgschaften zur Lösung seiner eigenen Probleme zu kommen, sagte der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel der „Rheinischen Post“: „Wenn Fiat tatsächlich nur mit einer Milliarde Euro bei Opel einsteigen will, ist das zu wenig, um den künftigen Betrieb zu sichern.“

AFP/dpa/Reuters/oht