Eine Anklage der US-Börsenaufsicht SEC gegen die Investmentbank Goldman Sachs hat am Freitag die Bankenwerte in den USA deutlich belastet. Aktien von Goldman büßten 12,79 Prozent auf 160,70 US-Dollar ein. Konkurrent JPMorgan verlor im Sog dessen 4,73 Prozent auf 45,55 Dollar. Obwohl die Bank of America nach zwei Verlustquartalen wieder einen überraschend hohen Gewinn ausgewiesen hatte, markierten die Aktien des Instituts mit Minus 5,49 Prozent auf 18,41 Dollar das Schlusslicht im Leitindex Dow Jones. Händler verwiesen für die Bank of America neben der Goldman-Klage auf anhaltende Sorgen vor Kreditausfällen und zahlungsunfähigen Kreditkartenkunden.
Zum Vergleich fiel der Dow Jones Industrial Average zuletzt um 1,13 Prozent auf 11018,66 Punkte. Damit weitete er seine anfänglichen Verluste deutlich aus. Bereits zu Handelsbeginn hatten eine überraschende Eintrübung des Konsumklimas und negativ aufgenommene Quartalszahlen etwa von Google den Leitindex unter Druck gesetzt.
Für den breit gefassten S&P-500-Index ging es um 1,61 Prozent auf 1192,13 Punkte nach unten. An der Nasdaq fiel der Composite-Index um 1,37 Prozent auf 2481,26 Punkte. Der Auswahlindex Nasdaq-100-Index büßte 1,27 Prozent auf2012,84 Zähler ein.
In Europa waren die Börsen wegen der Nachrichten um Goldman mit Verlusten aus dem Handel gegangen. Die Aktien der Deutschen Bank lagen mit einem Minus von 7,27 Prozent auf 55,99 Euro am Dax- Ende. Commerzbank-Titel gaben um 2,87 Prozent auf 6,365 Euro nach.
Goldman Sachs soll Anleger um mehr als eine Milliarde Dollar gebracht haben, indem die Bank ihnen ein Finanzprodukt verkaufte, das von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Der mächtige Hedgefonds Paulson & Co. hatte nach den Erkenntnissen der SEC gegen die Anleger gewettet. Goldman selber teilte mit, dass die Anschuldigungen „komplett unbegründet“ seien.
Laut Peter Dixon, Volkswirt bei der Commerzbank, unterstreicht der Kursrückgang auch, wie nervös die Investoren derzeit die in dieser Woche gestartete Berichtssaison verfolgen. So hatten der Aluminiumhersteller Alcoa und der Suchmaschinenbetreiber Google für Enttäuschung gesorgt, wohingegen etwa United Parcel Service (UPS) und auch JPMorgan positiv überrascht hatten. „Die Anleger sind recht ängstlich“, meinte der Experte.
Hank Smith, Vorstand im Investmentgeschäft bei Haverford Trust, glaubt derweil nicht, dass die durch Goldman ausgelösten Kursabschläge die Erholung am US-Aktienmarkt beeinflussen werden. Allerdings könnten sie der Beginn einer neuer Periode der Regulierung sein, die Goldman und vielleicht auch die gesamte Branche der Investmentbanken belasten könnte.
dpa/ks





