Der Flugzeughersteller Airbus kann mit einem Milliardenkredit der Bundesregierung für die Entwicklung seines Langsteckenfliegers A350 rechnen. „Die Bundesregierung ist grundsätzlich bereit, ein Entwicklungsdarlehen über 1,1 Milliarden Euro zu gewähren“, sagte Peter Hintze, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und Luftfahrtkoordinator für die Bundesregierung, zu Morgenpost Online.

„Von unserer Seite sind alle Voraussetzungen erfüllt: Die Konditionen sind konform mit den Regeln der WTO, und die Mittel stehen zur Verfügung“, sagte Hintze. Allerdings seien mit Airbus noch „letzte Fragen zu klären.“ „Wir wollen eine rasche Einigung. Es ist das Ziel, die Gespräch noch im Frühjahr abzuschließen.“

Der Langstreckenflieger A350, Konkurrent für den „Dreamliner“ von Boeing, soll Mitte 2013 auf den Markt kommen. Bislang sind bei Airbus für den A350 rund 500 Bestellungen eingegangen.

Als Knackpunkt bei den Verhandlungen über den Entwicklungskredit gilt die Arbeitsverteilung bei einem zweiten Projekt von Airbus, dem neuen Kurz- und Mittelstreckenflieger A30X. Die Bundesregierung pocht bei dem Flugzeug auf einen höheren Anteil für die deutschen Standorte, da Frankreich beim A350 einen größeren Arbeitsanteil hat.

„Wir wollen Gewissheit haben, dass die Forschungs- und Entwicklungsarbeit für den A30X nach Deutschland kommt. Dafür müssen schon heute die Weichen gestellt werden“, sagte Hintze. Zwar wurde bereits beschlossen, dass die Endmontage des A30X in Hamburg erfolgen wird. „Aber wir wollen Hamburg auch als Forschungs- und Entwicklungsstandort stärken. Davon würden später auch die deutschen Zulieferer bei der Produktion profitieren.“

Der A30X ist die Nachfolgegeneration des Kurz- und Mittelstreckenfliegers A320, dem Verkaufsschlager von Airbus. Wann mit der Entwicklung der neuen Maschine begonnen werden soll, steht noch nicht fest. Airbus will zunächst den A320 noch einmal modernisieren.

Unterdessen steht im Subventionsstreit um Airbus und Boeing offenbar eine Entscheidung der Welthandelsorganisation WTO bevor. Die WTO könnte schon in den kommenden Tagen ihr Urteil im Fall USA gegen Europäische Union verkünden, erfuhr Morgenpost Online aus dem Umfeld der Verhandlungen.

Dabei geht es um die Frage, ob Airbus für die Entwicklung von Flugzeugen illegale Staatshilfen erhalten hat. In einem Zwischenbericht im September fällte die WTO noch kein klares Urteil. So betonte die US-Seite, dass offenbar ein Teil der Staatshilfen für den A380 als illegal eingestuft wurde.

In Brüssel hielt man dagegen, dass die WTO rückzahlbare Entwicklungskredite grundsätzlich für rechtens eingestuft habe. In einem zweiten Fall, in dem die EU die USA wegen angeblicher Subventionen für Boeing verklagt, wird ein Urteil erst im Sommer erwartet.