Die EU-Kommission plant Kartellstrafen gegen die Brauereien Inbev (Belgien, Beck's Bier, Stella Artois), Heineken, Bavaria und Grolsch (alle Niederlande). Die vier Brauerei-Riesen sollen auf Grund von Preisabsprachen ihren Gestensaft in den vergangenen Jahren viel zu teuer verkauft haben. Nach Informationen des öffentlich-rechtlichen niederländischen TV-Senders NOS EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes die Höhe der Kartellstrafen am Mittwoch bekannt geben. Sie könnten saftig ausfallen und bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes der jeweiligen Brauerei betragen.
Die EU-Kommission hat das Preisgebaren der vier Brauer sieben Jahre lang untersucht und analysiert und ist nun anscheinend zu dem Schluss gekommen, dass es zum Nachteil der Verbraucher nicht mit rechten Dingen zuging und es jahrelang ein Bierkartell gab. Es soll dabei nicht nur Preisabsprachen gegeben haben. Auch Marktanteile und Lieferbedingungen an Bars und Gaststätten seien abgestimmt worden, zitiert der Sender NOS einen noch unveröffentlichten Bericht.
Ein ganz kleines Glas Bier für fast vier Euro
Vor allem in den Niederlanden durchweg sündhaft teuer. Für ein schlapp gezapftes Heineken im 0,2-Literglas muss man vielerorts 2,50 Euro, manchmal gar bis 3,80 Euro auf den Tresen blättern. In Belgien beispielsweise ist das gleiche Glas Bier im 0,2-Literglas vielerorts für 1,50 Euro zu haben. In den deutschsprachigen belgischen Ostkantonen kostet ein Eupener Bier (0,2 L) mancherorts nur 1,20 Euro. In Brüssel mitten im Zentrum an der Brüsseler Passage in der berühmten Bierkneipe ,,La morte subide'' nur 1,60 Euro.
Heineken und Grolsch rechnen mit einer Strafe. „Wir warten ab,'' hieß es bei Heineken. ,,Wir wissen nicht, was kommt und wie hoch die Buße sein könnte,'' sagte eine Sprecherin von Grolsch. Bereits in den 90iger Jahren wurden gegen einige belgische Brauereien, darunter der Inbev-Vorgänger Interbrew und die kleineren Bierhäuser Haacht und Martens Bußgelder in Höhe von insgesamt 91 Mio. Euro wegen Preisabsprachen verhängt.
An den Börsen in Amsterdam und Brüssel standen die Biertitel gestern unter Verkaufsdruck. Grolsch verloren zwei Prozent und sanken auf 31,50 Euro, Heineken gaben um mehr als ein Prozent nach. Lediglich der mit einem jährlich Bierausstoß mit fast 250 Millionen Hektolitern größte Bierbrauer der Welt, die belgische Inbev hielt relativ gut stand. Die Inbev-Aktien verloren nur einen halben Prozent.
ap





