Die Berliner Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG (CCE) will nach Informationen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) bis zu 24 ihrer 70 Standorte schließen und mehrere Tausend der knapp 11.000 Stellen streichen. „Wenn wir die uns bekannten Pläne hochrechnen, sind im schlimmsten Fall bis zu 4000 Arbeitsplätze bedroht“, sagte Claus Harald Güster, Vize-Chef der Gewerkschaft NGG, in Hamburg. Ein Firmensprecher der CCE sagte dazu, es gebe noch keine Zahlen, weder zum Personalabbau noch zu den betroffenen Standorten. Allerdings seien Maßnahmen geplant.

Grund dafür, dass dieses Thema jetzt hochkommt, sind die Tarifverhandlungen für die etwa 11.000 Beschäftigten bei der Coca-Cola Abfüllgesellschaft sowie im Vertrieb. Ende nächster Woche findet die letzte der bislang vereinbarten Tarifrunden statt. Bislang haben die sieben Gesprächsrunden keine Annäherung gebracht.

Coca-Cola ist in Berlin mit zwei Unternehmen präsent. zum einen der Coca-Cola GmbH, zum anderen mit der Coca-Cola Erfrischungsgetränke (CCE) AG.

„Wir wollen durchsetzen, dass bei Coca-Cola in den nächsten Jahren niemandem betriebsbedingt gekündigt wird“, sagte NGG-Verhandlungsführer Güster. Neben der Beschäftigungssicherung gehe es um die Ausgestaltung flexibler Arbeitszeiten sowie um eine Lohnerhöhung. Nach drei Jahren lediglich mit einem Inflationsausgleich verlange die Gewerkschaft nun sieben Prozent mehr Entgelt.

Friedenspflicht für die Gewerkschaft endet am 31. März

Sollte auch das nächste Treffen erfolglos bleiben, werde die Gewerkschaft für die erste Woche im April Warnstreiks organisieren. Danach seien eine Urabstimmung und ein unbefristeter Streik möglich – mit entsprechenden Folgen für die Produktion. „Wenn die Sonne im Frühjahr steigt, kann Coca-Cola sicher alles andere gebrauchen als einen Streik“, sagte der Gewerkschafter. Die Friedenspflicht für die Gewerkschaft endet am 31. März.

Hintergrund des Streits sind weitreichende Umbaupläne bei Coca-Cola in Deutschland und auch in Europa. Der Mutterkonzern mit Sitz in Atlanta hat in den vergangenen Jahren alle bis dahin selbstständigen Abfüll-Gesellschaften in den Ländern übernommen, er saniert seitdem die Betriebe und will das gesamte Firmengebilde dann von Mitte 2012 an wieder verkaufen. Coca-Cola sieht das Hauptgeschäft im Verkauf des Konzentrats für die Limonaden, nicht aber in der Herstellung oder dem Vertrieb der Brausen.

Die Abfüllbetriebe ihrerseits klagen über hohe Preise für die Grundstoffe. „Das ist in jedem Jahr ein hoher dreistelliger Millionenbetrag. Der Preis für das Konzentrat ist nicht wettbewerbsfähig“, sagte Johan Botella, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der CCE. Die Rendite der Abfüllbetriebe liege daher nur bei etwa einem Prozent. Der Konzern aus Atlanta erwarte jedoch bis zu acht Prozent.

Um diese Ziele erreichen zu können, soll nun ein neuer Tarifvertrag her, der die Kosten kräftig drückt. Vorgesehen sind flexiblere Arbeitszeiten mit bis zu 60 Wochenstunden in der Sommersaison, wenn besonders viele Getränke nachgefragt werden; Fremdvergabe etwa der Flaschensortierung und die Auslagerung des Vertriebs in einigen Regionen.

„Coca Cola will frei von Mitbestimmung ganz andere Arbeitszeiten durchsetzen“, sagte Gewerkschafter Güster. So sei eine der Forderungen des Managements, am Sonntag in den Werken arbeiten zu können, was der Tarifvertrag bisher nicht zulässt. Zudem strebe Coca-Cola einen höheren Anteil an Einwegprodukten an und wolle die Zahl der Mehrwegflaschen verringern. Dies senke die Produktionskosten. Konkret sollen nach NGG-Informationen 20 der 43 Vertriebsstandorte und vier der 27 Abfüllwerke geschlossen werden.

Der Konzernsprecher von Coca-Cola sagte dazu, dass es noch keine Detailplanung gebe. Veränderungen im Markt – etwa durch den Preiskampf der Discounter bei Limonaden – machten jedoch Maßnahmen erforderlich. Zu der angeblich beabsichtigten Konzentration der Verwaltung in Berlin wollte er sich nicht äußern.

Deutschland hat für den US-Getränkekonzern Coca-Cola eine große Bedeutung: Das Land liegt in der Liste der weltweiten Gewinnbringer auf Platz fünf.