Das Online-Auktionshaus Ebay kann als einer der wenigen US-Konzerne der Wirtschaftskrise trotzen. Der Konzern hat seine Einnahmen- und Gewinnprognosen für das laufende Jahr angehoben, nachdem die ersten drei Monate erfolgreich verlaufen sind. Das Unternehmen steigerte seinen Quartalsumsatz um 24 Prozent auf fast 2,2 Mrd. Dollar (knapp 1,4 Mrd. Euro) und seinen Gewinn um 22 Prozent auf 460 Mio. Dollar. Für das Gesamtjahr kündigte Ebay einen Umsatz von bis zu neun Mrd. Dollar an.
Mit den positiven Nachrichten schaffte der neue Konzernchef John Donahoe ein überzeugendes Debüt. Der 47-Jährige hatte den Posten erst Ende März von Silicon-Valley-Urgestein Meg Whitman übernommen. Die Managerin hatte nach fast zehn Jahren an der Spitze das Handtuch geworfen, nachdem sich Ebays Wachstum verlangsamt hatte.
Als eine seiner ersten Maßnahmen im Amt kündigte der ehemalige Unternehmensberater einen kräftigen Umbau des Konzerngeschäfts an. Er änderte die Gebührenstruktur auf Ebays Online-Auktionsseite und setzte sich das Ziel, den Kundenservice zu verbessern. Nun zeigten sich bereits die ersten Früchte: Ebays Umsatz mit seiner Auktionsseite stieg um 19 Prozent, die Zahl der neu gelisteten Produkte um zehn Prozent.
Mit der Internetseite erzielt der kalifornische Konzern etwa zwei Drittel seines Umsatzes. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die richtigen Entscheidungen für unseren Online-Marktplatz getroffen haben und die Firma so gut für die Zukunft aufgestellt haben. Doch es gibt noch viel mehr zu tun“, sagte Donahoe in einer Telefonkonferenz.
Noch weit stärker als die Auktionsseite wachsen momentan allerdings Ebays andere Konzernsparten. Vor allem das Online-Bezahlsystem PayPal trieb in den vergangenen drei Monaten das Wachstum an. PayPal ist ein elektronisches Bezahlsystem, mit dem Internetnutzer Güter im Netz bezahlen können, eine Alternative zur Kreditkarte. Ebay-Kunden wickeln mit PayPal ihre Geschäfte auf der Seite ab.
Mittlerweile nutzen jedoch auch viele andere Unternehmen das System für Zahlungen auf ihren Internetseiten. So hat zum Beispiel die US-Billigfluglinie JetBlue Airways PayPal als Bezahlsystem auf seiner Internetseite eingeführt. Auch der Internet-Telefoniedienst Skype verzeichnet derzeit große Wachstumsraten bei den Einnahmen, wenn auch auf niedrigem Niveau. Skype steigerte seine Einnahmen im letzten Quartal um 61 Prozent auf 126 Mio. Dollar. Der Dienst gilt als das Sorgenkind Ebays und der größte Fehlkauf in der Firmengeschichte. Im Herbst musste der Konzern 1,43 Mrd. Dollar auf den Wert von Skype abschreiben, weil das Unternehmen nicht in erwarteter Höhe Einnahmen erzielen konnte. Ebay hatte Skype im September 2005 für 2,6 Mrd. Dollar gekauft.
Ebays momentane Erfolgswelle wird auch durch den schwachen Dollar angetrieben. Der Konzern erzielt mehr als die Hälfte seines Umsatzes außerhalb der USA. Derzeit wächst er in Europa doppelt so stark wie auf dem Heimatmarkt. Der sinkende Dollarkurs lässt Umsätze, die Ebay im Ausland erzielt, höher ausfallen. Deutschland ist mit 14,5 Millionen Mitgliedern der größte Markt für Ebay nach den USA.




