Die Renten in Ostdeutschland werden künftig zum Teil dramatisch schrumpfen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Für einen Großteil derjenigen, die ab Ende der 2020er-Jahre aus dem Erwerbsleben ausscheiden, werde die gesetzliche Rente sogar nahe oder unter der Grundsicherung von 600 Euro liegen. Hauptgrund dafür sei die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland in Kombination mit der Absenkung des Rentenniveaus.

Für Westdeutschland sei hingegen mit relativ stabilen Rentenzahlungen zu rechnen. Die einzige Gruppe, die sogar ein leichtes Plus erwarten kann, sind westdeutsche Frauen: Wegen steigender Bildung und zunehmender Erwerbstätigkeit steigt deren durchschnittliche gesetzliche Rente.

„Die Entwicklung in Ostdeutschland ist dagegen zum Teil dramatisch“, sagte Studienleiter Viktor Steiner. „Bei den jüngeren von uns untersuchten Jahrgängen in Ostdeutschland wird der durchschnittliche Rentenzahlbetrag unter das durchschnittliche Niveau der Grundsicherung fallen.“

Die Ursachen für diese Entwicklung hingen unmittelbar mit der Situation am Arbeitsmarkt zusammen: Seit Beginn der 90er-Jahre schnellte die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland nach oben und verharrt seitdem auf deutlich höherem Niveau als im Westen. Hinzu komme der Trend zu mehr Teilzeitbeschäftigung und Minijobs. Dadurch rutschten vor allem Frauen aus Vollzeitstellen in geringfügige Beschäftigung.

In Gesamtdeutschland wird es laut der Studie in Zukunft vor allem für Geringqualifizierte sehr viel schwieriger, das bisherige Rentenniveau zu erreichen. Grund dafür ist vor allem, dass mit sinkendem Bildungsgrad das Risiko steigt, arbeitslos zu werden. Diesen Entwicklungen könne die Politik allerdings gegensteuern, sagen die DIW-Forscher. Sie raten, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu stärken.

Dazu könne der Staat die finanziellen Anreize für Frühverrentung, Mini-Jobs und zum Bezug von Arbeitslosengeld II reduzieren, um reguläre Arbeitsverhältnisse attraktiver zu machen. Zudem empfehlen die Forscher, das gesetzliche Renteneintrittsalter zu erhöhen und an die steigende Lebenserwartung anzupassen.

tkai