Wer am falschen Automaten Geld abhebt, muss mit saftigen Gebühren rechnen. Zehn Euro pro Transaktion sind keine Seltenheit mehr in Deutschland. Nach einer Auswertung der FMH Finanzberatung fordern mittlerweile zehn Institute einen zweistelligen Betrag von ihren Kunden, wenn diese sich auf Geschäftsreisen oder im Urlaub am falschen Automaten bedienen - selbst wenn sie nur 50 Euro ziehen, sind die zehn Euro fällig.

Im Schnitt stiegen die Gebühren innerhalb eines halben Jahres um 13 Prozent auf 5,64 Euro. Ein Fünftel der 200 untersuchten Banken hat das Entgelt in den vergangenen Monaten erhöht. Besonders Sparkassen und Genossenschaftsbanken langen kräftig zu. Unter den ersten 15 befinden sich ausschließlich Vertreter aus einer der beiden Bankengruppen. Doch auch die großen Privatkundenbanken halten sich bei den Gebühren keineswegs zurück. So verlangen Deutsche Bank und Postbank unverändert 5,99 Euro. Die Commerzbank liegt mit 5,98 Euro nur noch einen Cent hinter der Konkurrenz. Sie hat seit Sommer des Vorjahres die Gebühr um einen Euro oder 20 Prozent erhöht.

Bei der Untersuchung geht es um die Gebühren, die eine Bank ihrem Kunden berechnet, wenn dieser sich woanders bedient. Das ist nicht zwangsläufig der Betrag, den sich die Banken in einem solchen Fall in Rechnung stellen. Dieser kann noch sehr viel höher liegen. Nach Angaben der Direktbank ING Diba verlangen beispielsweise die Sparkasse Laubach-Hungen, die Raiffeisenbank Biberach oder die Volksbank Kinzigtal 20 Euro von der Bank des fremden Kunden. Diese gibt diese Gebühren dann allerdings nicht in voller Höhe weiter.

"Wir zahlen im Schnitt acht Euro an fremde Banken", sagt ein Sprecher von ING Diba. Selbst verlange die Bank von ihren Kunden fünf Euro, den Rest übernehme die Bank. Er räumt ein, dass die Diba an ihren 1300 Automaten genauso verfährt. Auch da verlange sie schon einmal zehn Euro, wenn sich ein Sparkassenkunde bediene. So treiben sich die Finanzinstitute nach oben - und geben sich gegenseitig die Schuld dafür. Das Ergebnis findet der Kunde auf seinem Kontoauszug wieder.

Hintergrund ist der seit langem andauernde Streit über das Automatennetz in Deutschland. Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die zusammen rund 44.000 der 55.000 Automaten betreiben, stören sich daran, dass Kunden anderer Institute ihre Infrastruktur nutzen. Vor allem Direktbanken, die kein eigenes Netz haben, und örtliche Konkurrenz sind ihnen ein Dorn im Auge.

Dabei sehen sich die Sparkassen in einer komfortablen Situation. "In der Praxis müssen wir solche Gebühren an andere Banken gar nicht zahlen, da die allermeisten Sparkassenkunden nur am eigenen Automaten Geld abheben", sagt eine Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Der Zentrale Kreditausschuss, die Dachorganisation aller Bankenverbände, sieht keinen Grund dafür, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und die aus Kundensicht ärgerliche Preistreiberei beenden. "Das ist ein Wettbewerbsthema", hieß es von dort. Ein weiterer Anstieg der Gebühren kann wohl nicht ausgeschlossen werden.

Kunden können sich nur im Vorfeld bei ihrer Bank erkundigen, wie hoch die Gebühren sind. Nach Beobachtungen der FMH Finanzberatung ist aber auch das zunehmend schwierig. Einige Häuser verlangten unterschiedliche Gebühren, je nach dem wo der Kunde Geld abhebt. So wolle die Sparkasse Fürth grundsätzlich sechs Euro. Bediene der Kunde sich jedoch bei einer Commerzbank, Postbank, ING Diba oder der Volksbank Nürnberg, sind zehn Euro fällig.