Ölkonzerne

Aral nimmt Shell mehr als hundert Tankstellen ab

Der Marktführer bei Tankstellen, Aral, vergrößert seinen Marktanteil durch die Übernahme von 117 Tankstellen, die vorher durch den ärgsten Konkurrenten Shell beliefert wurden. Zudem will Aral-Chef Stefan Brock das Normalbenzin an seinen Tankstellen Zug um Zug aus dem Angebot nehmen.

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In den Wettbewerb der Ölkonzerne an den Tankstellen ist wieder Bewegung gekommen. Marktführer Aral hat im vergangenen Jahr durch die Übernahme von Stationen den Abstand zum Konkurrenten Shell deutlich erhöht. Nach Angaben des Konzerns erreichte Aral Ende vergangenen Jahres einen Marktanteil im Benzin- und Dieselabsatz von 23,5 Prozent gegenüber 22 Prozent bei Shell. Auf den Plätzen folgen der Billiganbieter Jet mit zehn Prozent sowie Esso und Total mit jeweils rund acht Prozent. Aral gehört zum britischen Ölkonzern BP.

Das Pikante daran: Aral hat als Marke 117 Tankstellen von mittelständischen Betreiberfirmen übernommen – die zuvor als Shell-Stationen betrieben wurden. Die Mittelständler bleiben jedoch Eigentümer der Tankstellen, sie wechseln nur ihren Lieferanten und lassen ihre Stationen umflaggen. „Wir haben in den letzten beiden Jahren viel mit mittelständischen Firmen vor allem in Süddeutschland gesprochen und konnten Lieferverträge abschließen“, sagte Aral-Deutschlandchef Stefan Brok. Shell hatte diese Stationen beim Kauf der Marke Dea vor fünf Jahren in das eigene Tankstellennetz hinzu bekommen. Nun endeten die Lieferverträge der einstigen Dea-Händler, und fast jeder zweite von ihnen nutzte die Chance für einen Wechsel. Aral betreibt jetzt 2407 Tankstellen, Shell verfügt über 2106 Stationen.

Dank des Netzausbaus sowie durch erfolgreiche Marketingaktionen konnte Aral im vergangenen Jahr den Absatz um fünf Prozent auf 8,3 Millionen Tonnen steigern. Dabei stieg der Verkauf von Diesel erneut stärker als von Benzinprodukten. Bei einer Marge von rund einem Cent je Liter erwirtschaftete Aral aus dem Kraftstoffverkauf einen Gewinn von rund 100 Mio. Euro.

Der Gesamtmarkt blieb dagegen unverändert bei gut 35 Millionen Tonnen und erhöhte sich nicht. Auf lange Sicht erwartet Aral - wie auch die gesamte Branche - ein Schrumpfen des Tankstellengeschäfts. Das liegt am geringeren Verbrauch der Autos sowie an weniger gefahrenen Kilometern. Allein durch die Abwrackprämie sind in Deutschland rund zwei Millionen ältere Pkw von den Straßen verschwunden – und durch Neuwagen mit sparsameren Motoren ersetzt worden.

Zugleich kündigte Aral-Chef Brok an, dass der Konzern das Normalbenzin Stück für Stück aus dem Angebot nehmen wird. „Bis zum Jahresende wird es bei uns deutlich weniger Stationen mit einer Normal-Zapfsäule geben“, sagte der Manager. Der Konzern begründet dies mit der geringen Nachfrage, die nur noch sieben Prozent des gesamten Benzinverkaufs ausmachen soll. Zudem sei der Preis zwischen Normal und Super gleich hoch. Für die Motoren sei zudem Super die technisch bessere Wahl.

An den Stationen wird unterdessen der Tankstellenshop immer wichtiger: Sein Anteil am Gewinn stieg im vergangenen Jahr von 56 auf nunmehr 60 Prozent. Nur rund 13 Prozent trägt der Benzin- und Dieselverkauf zum Ertrag einer Aral-Tankstelle bei. Dennoch ist der Umsatz in den Shops im Vorjahr um rund gut ein Prozent auf 1,53 Milliarden Euro gesunken. Verloren hat dabei der Verkauf von Zeitschriften und Zeitungen sowie von Alkohol und Süßwaren. Gestiegen ist dagegen der Absatz von Kaffee, Brötchen und Snacks. Wenn Baden-Württemberg wie geplant ab März 2010 den Verkauf von Alkoholgetränken im Einzelhandel zwischen 22 Uhr und fünf Uhr morgens verbieten wird, dürfte dies den Umsatz der Tankstellenshops noch weiter verringern. Ob weitere Bundesländer dem Vorbild aus Südwestdeutschland folgen werden, ist noch offen.