Krise? Welche Krise? Im deutschen Profifußball ist davon nichts zu spüren. Als am Mittwoch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) in Frankfurt am Main ihre wirtschaftlichen Kennzahlen vorstellte, war die Stimmung prächtig. Während in den umliegenden Wolkenkratzern der Finanzriesen in den vergangenen Monaten die weltweite Krise verkraftet werden muss, marschiert die Bundesliga unbeirrt von einem Rekord zum nächsten.

„Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch wir noch die Ausläufer der wirtschaftlichen Turbulenzen zu spüren bekommen. Aber bislang präsentiert sich der Profifußball hierzulande als sehr robust gegen die Krise“, sagte Christian Seifert, der Vorsitzende der Geschäftsführung der DFL.

Hinter ihm flimmerten die steil aufragenden Bilanzkurven der Saison 2008/2009. Erstmals übertrafen die 36 Klubs der Ersten und Zweiten Bundesliga die Marke von zwei Milliarden Euro Gesamtumsatz, exakt 2.036.105.000 Euro wurden bewegt. Das ist ein Plus von 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und rund ein Drittel mehr als noch vor drei Jahren. Allerdings sind auch die Verbindlichkeiten der Klubs gestiegen und so hoch wie seit vier Jahren nicht mehr: 610 Millionen Euro allein in der Ersten Liga.

Über rekordverdächtige Sparkonten verfügen auch die finanziell gut aufgestellten Vereine nicht gerade. 2,025 Milliarden Euro wurden gleich wieder ausgegeben, darunter 820 Millionen Euro für das Personal. „Eine Quote von rund 40 Prozent für Gehälter ist im europäischen Vergleich moderat“, sagte Seifert, „in anderen Topligen haben wir Werte von 60 bis 70 Prozent.“

Generell müsse die Bundesliga den Vergleich mit Englands Premier League, Italiens Serie A und Spaniens Primera Division nicht scheuen. Mit einem Zuschauerschnitt von zuletzt 41.904 Besuchern pro Spiel liegt Deutschland deutlich vor England (35.592), Spanien (28.478) und Italien (25.304). Auch dank der niedrigsten Ticketpreise. Durchschnittlich 20,79 Euro muss hierzulande pro Stadionbesuch gezahlt werden, in Premier League und Primera Division ist es mehr als das Doppelte. Und auch die Leute, die sich wenig für Fußball begeistern, profitieren von dem Boom. Insgesamt überwies der deutsche Lizenzfußball in der bilanzierten Saison 684 Millionen Euro Steuern an den Fiskus.