Gewinneinbrüche, Pleiten, Entlassungen - so viel Weltuntergangsstimmung war selten. Doch manch einer mag ihrer inzwischen überdrüssig sein. Gibt es denn wirklich nur noch Katastrophen zu vermelden? Gibt es nicht vielleicht auch noch positive Nachrichten?

Doch, es gibt sie. Gar nicht so wenige sogar. Sie gehen nur oft unter in dem Konzert der Hiobsbotschaften. Wir haben daher eine Woche lang die rosarote Brille aufgesetzt und nur die hoffnungsfrohen Meldungen herausgefiltert. Heraus kam ein breites Bild voller ermutigender Signale - absolut subjektiv und absolut ohne irgendeinen Anspruch auf Prognosetauglichkeit.

Wir konsumieren weiter

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erklärte am Montag, dass sie in diesem Jahr von einer leichten Zunahme des Konsums in Deutschland ausgehe. Um 0,5 Prozent werde der private Verbrauch wachsen, nachdem er jahrelang zurückgegangen war. Die Finanzkrise komme 2009 noch nicht bei den Konsumenten an und dies könne die Einbrüche beim Export im ersten Halbjahr 2009 teilweise abfangen. Anschließend könnte der Export sich sogar wieder beleben, denn der Ifo-Geschäftsklimaindex, ein wichtiger Frühindikator, ist im Januar erstmals seit Mai 2008 wieder leicht gestiegen. Welch hoffnungsvoller Wochenauftakt.

Fluglinien gewinnen

Und so geht es gleich weiter: Lufthansa setzt am Dienstag seine Gewinnprognose nach oben. Richtig gehört. 200 Millionen Euro will die Lufthansa im vergangenen Jahr mehr verdient haben als ursprünglich gedacht - 1,3 statt 1,1 Milliarden Euro. Der Dax-Konzern begründete dies mit den niedrigeren Treibstoffkosten. Der Kurs der Lufthansa-Aktie honoriert dies. Am Ende der Woche liegt das Plus bei fast 15 Prozent. Wegen gesunkener Spritpreise hatte Tags zuvor schon die Billigfluglinie Ryanair ihre Gewinnerwartungen angehoben. Statt mit einem Mini-Gewinn will sie das laufende Geschäftsjahr Ende März mit einem Plus von 50 bis 80 Millionen Euro abschließen. Und anders als Lufthansa bleibt Ryanair auch für die nächsten Monate optimistisch. Durch den Wirtschaftsabschwung seien Millionen Passagiere gezwungen, auf den Preis zu achten. Da wollen die Briten Punkten.

Kein Protektionismus

US-Präsident Barack Obama enttäuscht weiter nicht in seiner Rolle als Hoffnungsträger - auch außerhalb der USA. Am Mittwoch erklärt er, dass er eine "buy-American-Klausel" in dem riesigen Konjunkturprogramm seines Landes ablehnt. Damit setzt er sich gegen das mächtige Repräsentantenhaus durch. Das wollte vorschreiben, dass für Infrastrukturprojekte beispielsweise nur Stahl aus der eigenen Produktion verwendet werden soll. Nun verringert sich die Gefahr eines neuen Protektionismus, der vor allem der deutschen Industrie schaden würde. Im Übrigen profitiert Deutschland auch noch von der deutlichen Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar und dem japanischen Yen, die sich während der Woche fortsetzte.

Hoffnung in den USA

In den USA kann sich Obama nach kurzer Amtszeit bereits einen Stimmungsaufschwung ins Notenheft eintragen lassen. Einzelne Indikatoren beginnen zu drehen. Der NMI-Index, der die Meinung der Einkaufsmanager der Dienstleistungsindustrie wiedergibt, stieg das zweite Mal in Folge, wie am Mittwoch bekannt gegeben wurde. Die Einkaufsmanager des produzierenden Gewerbes hatten bereits zu Wochenbeginn überrascht. Das Institute for Supply Management (ISM) verkündete, dass sein Stimmungsbarometer seit Langem erstmals wieder gestiegen ist, von 32,9 auf 35,6 Punkte. Die Einkaufsmanager gelten als die Ersten, die eine Wende erkennen, da sie auf anziehende Nachfrage reagieren.

China fängt sich

Die zweite Wirtschaftssupermacht will da nicht hinten anstehen. Unerwartet gute Konjunkturdaten kamen zur Wochenmitte aus China. Der dortige Einkaufsmanagerindex stieg um 4,1 auf 45,3 Punkte. Hinzu kamen im Laufe der Woche Zahlen, wonach die Kreditvergabe der chinesischen Banken wieder zugenommen hat, und Nachrichten, dass die Stahlpreise wieder anziehen - China ist der größte Stahlproduzent.

Sogar Banken frohlocken

Wegen Reichtum vorübergehend geschlossen. Die Mercedes Bank kann das von sich behaupten. Sie wurde in dieser Woche dem Kundenansturm nicht mehr Herr - zu verlockend waren die Festgeldkonditionen. Kontoeröffnungen seien "bis auf Weiteres" nicht mehr möglich. Von steigenden Kunden- und Einlagenzahlen berichteten auch die Hamburger Privatbank Berenberg und die Umweltbank. Gewinn machen sie auch. So weit ist Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann noch nicht. Doch im Januar hätten die Erträge wieder über dem Vergleichswert des Vorjahres gelegen, sagte er am Donnerstag. Na, also.

Tolle Abwrackprämie

Viele Autohändler melden "Ausverkauft". Die noch vor Kurzem vollen Hallen und Lager haben sich offenbar recht schnell geleert - der Abwrackprämie von 2500 Euro für die Verschrottung eines alten Autos sei Dank. Allein in der letzten Januarwoche stieg die Nachfrage um 16 Prozent, wie der Branchenverband VDA bekannt gab. Besonders gefragt sind kleinere Modelle, die nicht viel kosten. Dass dazu auch ausländische Marken wie Citroën oder Dacia gehören, sollte nicht stören. Auch deutsche Hersteller haben kleine Autos. So wurde am Freitag bekannt, dass Opel bereits wieder länger arbeiten lässt, um alle Wünsche erfüllen zu können.

Der Optimismus steckt an

Nicht nur unsere Stimmung hellte sich auf, je häufiger wir diese Woche durch die rosarote Brille schauten und nur die guten Nachrichten wahrnahmen. Viele Anleger fanden offenbar auch Gefallen an dieser Art der Selbsttherapie. Sie kauften wieder Aktien. Der Deutsche Aktienindex Dax hat bis zum Wochenschluss immerhin um über 300 Punkte zugelegt. Das entspricht einem Plus von rund sieben Prozent gegenüber dem Schlusswert eine Woche zuvor. Krise? Welche Krise?